Der Exotismus unserer Nährwerte.

Wer sich bewusst ernähren möchte, der hat es nicht leicht. Die industrielle Nahrung nimmt einen Großteil der Supermarkt-Regale ein. Ihre Inhaltsstoffe sind schwer zu identifizieren und welche Antibiotika das Tier, dessen Teile da in Plastik in der Kühltheke liegen, zu sich nehmen musste, kann man…

Powerfood ist kein Empowerment.

Eine alte Schulfreundin von mir (die Art von Freundin, die man selten sieht, aber mit der man rege in Messenger-Kontakt steht), hat mir in den letzten Wochen Rezepte für Energy-Balls und selbst gemachte Riegel geschickt. Ihre riesige Bibliothek an veganen Rezeptbüchern und ihre Schatzkiste an…

Digitale Coolness. Der Charme der GIFs.

Coolness ist ein schwieriges Wort. Coolness versucht eine Grenze zu ziehen, zwischen den Wissenden und den Unwissenden, zwischen jenen, die dabei sind und denen, die eben nicht dabei sind. Nachdem durch den Hipster und die Debatte um ihn der letzte coole Rest der Coolness endgültig…

Deutschland: Keine Isla Bonita.

Endlich verstehe ich die Tante, die einen Feinkostladen in ihrem Keller eröffnete, dafür sogar ihr Haus umbauen ließ. Ich verstehe, warum sie sich die 90er hindurch durch einen Volkshochschulkurs für Italienisch gepaukt hat. Ich verstehe warum Goethe weg musste, um sich inspirieren zu lassen, weit…

Leerer Hedonismus: GHB als Metapher.

Würde jemand nach dem Sinn unseres derzeitigen Lebens fragen, danach, wo der Wind hinweht, so riecht es nicht mehr nach Generation Spaß, oder kollektivem Eskapismus, es geht auch nicht mehr primär um Repräsentation von Status oder um Exklusivität – diese Tendenzen haben sich alle bereits verfestigt. Etwas…

Alltagsästhetik: Das virtuelle Casino

Casinos sind nicht nur Orte, an denen man dem Glücksspiel frönt. Sie sind wie ein Biotop mit Gravitation, sie haben eine Aura, sie umweht eine ganze Ästhetik. Eine Ästhetik, die mit einem Versprechen einhergeht, das so unwirklich scheint, aber trotzdem im Raum hängt wie ein…

Review: Scuba – Claustrophobia

Keine Angst ist vielleicht eine gute Einleitung, um ein Album zu besprechen, das Claustrophobia heißt. Keine Angst hat Scuba vor einer ganzen Love Parade aus Stilen, die hier zusammenkommen. „All I think About Is Death“ klingt wie ein laszives House-Hymnchen kurz vor dem Orgasmus, wird…

Wieder/endlich/mehr Lyrik.

Gegenwartslyrik hatte für mich immer etwas… irgendwie Halbgares, Unverständliches und Nöliges und, klar, Prätentiöses an sich. Wenn ich auf Lesungen war, dann mit den anderen Klassenbesten aus der ganzen BRD, die sich auf sich und ihr Können einen runterholten, Leute in meinem Bekanntenkreis gründeten Lyrikkollektive…

Alltagsästhetik: virtuelles Einkaufen

„We are S-H-O-P-P-I-N-G, we’re shopping“ heißt es in einem Song der Pet Shop Boys aus den späten 80ern. „It’s a sin“ will man dransetzen, aber das klingt gleich wieder nach Marketingsprech. In den letzten 30 Jahren hat sich die Tätigkeit, die man auch auf Deutsch…

Die queere Gretchenfrage

„Und, wie hälst Du’s mit der Religion?“ ist die Frage, die ganz basal-banal, gestellt gehört, bevor man sich auf das schwierige Gebiet zweier Ängste wagt, die gerade gegeneinander ausgespielt werden. Die Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes geht mit einer ganz perfiden Angst eine Koalition ein,…

Interview: Blue Hour.

I came across Blue Hour through a recent podcast and was intrigued by his soundscapes: tribal yet futuristic, plane but nevertheless complex. A dialogue between the dark side of techno and a dawn of hope are woven into dancable but tranquilizing tracks. Much acclaimed by the reviewers, the…

Ich kauf jetzt Vinyl.

Vinyl, lange Tod geglaubt, ist jetzt mit Sicherheit kein in der Bedeutunglosigkeit verschwindendes Medium mehr. Was wir schon aus der Kunstgeschichte wissen, beweist auch in der Digitale seine Richtigkeitkeit: nichts verschwindet, findet aber wohl seine Nische, die seinen Vorteilen entspricht. Die Nachteile werden von Liebhabern…

Alltagsästhetik: Sushi bestellen.

„Wir mögen Sushi“ hat mal eine Bekannte gesagt, die 10 Jahre älter als ich, und vollkommen von ihrer Bridget-Jones-Beziehung eingenommen war. Ihre Beziehung war so eine viel zu große Maki-Rolle, die in zu wenig Alge und zu viel Füllung hatte, dass, sobald man das Thema…

Tausend Tode schreiben: Einer von uns.

„Schon wieder einer von uns“, ging mir durch den Kopf, als ich hörte, wer gestorben war. Etwas in meinem Geist funktionierte schneller als der Rest. Ich musste innehalten und meinen eigenen Gedanken nehmen, ihn aufbrechen und betrachten: Schon wieder? Der zweite Tod innerhalb eines Jahres…