Wieder/endlich/mehr Lyrik.

Gegenwartslyrik hatte für mich immer etwas… irgendwie Halbgares, Unverständliches und Nöliges und, klar, Prätentiöses an sich. Wenn ich auf Lesungen war, dann mit den anderen Klassenbesten aus der ganzen BRD, die sich auf sich und ihr Können einen runterholten, Leute in meinem Bekanntenkreis gründeten Lyrikkollektive…

Alltagsästhetik: virtuelles Einkaufen

„We are S-H-O-P-P-I-N-G, we’re shopping“ heißt es in einem Song der Pet Shop Boys aus den späten 80ern. „It’s a sin“ will man dransetzen, aber das klingt gleich wieder nach Marketingsprech. In den letzten 30 Jahren hat sich die Tätigkeit, die man auch auf Deutsch…

Die queere Gretchenfrage

„Und, wie hälst Du’s mit der Religion?“ ist die Frage, die ganz basal-banal, gestellt gehört, bevor man sich auf das schwierige Gebiet zweier Ängste wagt, die gerade gegeneinander ausgespielt werden. Die Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes geht mit einer ganz perfiden Angst eine Koalition ein,…

Interview: Blue Hour.

I came across Blue Hour through a recent podcast and was intrigued by his soundscapes: tribal yet futuristic, plane but nevertheless complex. A dialogue between the dark side of techno and a dawn of hope are woven into dancable but tranquilizing tracks. Much acclaimed by the reviewers, the…

Ich kauf jetzt Vinyl.

Vinyl, lange Tod geglaubt, ist jetzt mit Sicherheit kein in der Bedeutunglosigkeit verschwindendes Medium mehr. Was wir schon aus der Kunstgeschichte wissen, beweist auch in der Digitale seine Richtigkeitkeit: nichts verschwindet, findet aber wohl seine Nische, die seinen Vorteilen entspricht. Die Nachteile werden von Liebhabern…

Alltagsästhetik: Sushi bestellen.

„Wir mögen Sushi“ hat mal eine Bekannte gesagt, die 10 Jahre älter als ich, und vollkommen von ihrer Bridget-Jones-Beziehung eingenommen war. Ihre Beziehung war so eine viel zu große Maki-Rolle, die in zu wenig Alge und zu viel Füllung hatte, dass, sobald man das Thema…

Tausend Tode schreiben: Einer von uns.

„Schon wieder einer von uns“, ging mir durch den Kopf, als ich hörte, wer gestorben war. Etwas in meinem Geist funktionierte schneller als der Rest. Ich musste innehalten und meinen eigenen Gedanken nehmen, ihn aufbrechen und betrachten: Schon wieder? Der zweite Tod innerhalb eines Jahres…

Tausend Tode schreiben.

Im Hause C.Frohmann, einem der vielen tollen eBook-Verläge, die in den letzten Jahren aufkamen, entsteht gerade ein Mammutprojekt, das zeigt, wo die Stärke digitalen Publizierens liegt. Unter dem Titel „Tausend Tode schreiben“ versammelt Herausgeberin Christiane Frohmann Perspektiven auf den Tod, die so unterschiedlich sind, wie…

Demut als Waffe: Notizen zu Susan Sontag.

Warum kommt es mir vermessen vor zu sagen, dass Susan Sontag mein Vorbild ist? Die Frau, die die Hälfte des 20. Jahrhunderts schreibend und denkend verbrachte und deren Texte mich schon seit meinen ersten intellektuellen Gehversuchen prägen, ist keine Inspiration für mich und auch kein…

Rezension: Du, der Saisonarbeiter.

Heike Geißler spricht Sie direkt an. Also eigentlich mich, damit den Rezensenten, aber auch Sie, den geneigten Leser, damit uns, die wir uns über dieses Buch beugen, das wir unter Umständen da gekauft haben, wo es Heike Geißler aus finanzieller Not hinverschlagen hat. Wir könnten…

Die neuen Widersprüche

Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage wird klar, dass die Zeiten, in denen man sich politische Indifferenz leisten konnte, eindeutig zu Ende gekommen sind. Konflikte brechen auf, werden ausgetragen und fordern uns dazu auf, unseren Kopf wieder anzuschalten. Die Gefahren, denen wir ausgeliefert sind, sind seit Beginn…

Alltagsästhetik: Cocooning-Tee.

Wenn’s mir schlecht geht, dann erweitere ich meine Tee-Sammlung. Jetzt, in der neuen Wohnung Anfang des Winters in den kürzesten Tagen des Jahres, mit der neuen Küche, habe ich einen spießigen Orgasmus: Es gibt eine ganze Tee-Schublade. Darin: Brenneselltee, Ostfriesentee, Sencha, Mate aus Chile (die…

Follow up! Rebecca Brodskis.

Rebecca Brodskis war die erste Künstlerin, deren Arbeit auf diesem Blog vorgestellt wurde. Grund genug ihr nach fast zwei Jahren noch einmal über die Schulter zu schauen. Wir treffen uns in einem immer überfüllten Café in Mitte und nehmen mit zwei Kaffee Platz an der Theke. Zwischen…

Oscillate: Interview mit Milton Bradley

Diesen Samstag findet die erste Session von Oscillate statt.  Eine Party, die sich ganz der Musik widmet, sollte eigentlich logisch sein.  Keine Visuals, keine Deko und – zum Glück – Konfettiverbot. Sympathisch! Das Line-Up von Oscillate beweist, dass hier mit Liebe ausgesucht wurde. Musikaffines Publikum…

CTM: Monolake Live Premiere 2015. Review.

Der Rezeptionsmodus von elektronischer Musik in öffentlichen Räumen ist für mich an meinen Körper und seine Reaktion gebunden. Viele Körper in einem öffentlichen Raum (beispielsweise ein Club), die die durch die Anlage gejagte Musik, den Schall und die Vibration, durch codierte Bewegungen wiedergeben, beschreiben und…

Lumbersexual. Sex mit Holzfällern gefällig?

Schon vom Lumbersexual gehört? Oder besser gesagt: ihn gesehen? Alle sozialen Medien werden von diesem neuen, post-modernen Archetypen der Hypervirilität geflutet. Modejournalisten und Stilkolumnen laufen heiß. Alle schreiben über diesen sensiblen, verwegenen aber am Ende durch und durch kernigen neuen Männertypus, als wäre er die…