#tillandsialove

Die Idee, dass eine Pflanze keine Wurzeln und keine Erde braucht, um zu wachsen, will mir bis heute nur schwer in den Kopf gehen. Wie überleben die denn Bitte? Auch Luftpflanzen betreiben Photosynthese, brauchen Wasser und nehmen über die Luft Nährstoffe auf. 

Luftpflanzen waren lange Zeit ziemlich out, dann wurden sie vergessen und von Marktverkäufern in Großstädten wieder entdeckt. Dort kann man sie jetzt überteuert erstehen – inklusive Zubehör, denn die Luftpflanzen darf man nicht gießen. Man besprüht sie. Wie schön ist das denn bitte. Das gibt den Pflanzen etwas noch ätherischeres. Es muss nicht gleich ein Betonuntersetzer sein. Auf Pinterest finden sich Unmengen an low-cost DIY-Ideen, die man unter 10 Minuten auch in deinem Zuhause realisieren kann. Luftpflanzen lassen sich aufhängen, einspannen, einrahmen, umgarnen und in aufwendig gebauten Landschaften platzieren. 

Meine Luftpflanzen leben puristisch – wie ich, brauchen sie keine großartigen Möbelstücke. Eine von ihnen lebt auf einem Unterteller, den ich mal bei Tim Raue hab mitgehen lassen. Hoffentlich ließt er das nicht. Es war auch nicht im Restaurant, sondern bei einem Catering. Versprochen. Und die Pflanze fühlt sich ausgesprochen wohl. Das Ätherische kommt hier durch. Die Luftpflanzen mögen das Besondere, so machen sie auch dein Home zu einem ganz besonderen Ort der Entspannung ganz im Look der Zeit. 

Natürlich verbessern Tillandsien, so heißt eine der Unterarten der Luftpflanzen unter Kennern, das Raumklima. Ihre Poren sind weiß, wenn sie trocken sind. Werden sie benässt, öffnen sie sich um Wasser aufzunehmen. Sie mögen kein Kalkwasser, denn das verstopft die Poren. Dennoch überleben sie in Berlin, wenn man sie mit destilliertem Wasser einsprüht. Das kann man auch zum Bügeln benutzen, aber wer bügelt in Berlin schon? Bestimmt Menschen, die ihren Tillandsien ganze Terrarien bauen, bis der Trend vorbei ist und sie sie dann wegschmeißen. 

Tillandsien können allerdings ziemlich viel ab. Sie sind es gewohnt auf anderen Pflanzen zu leben. Das macht sie allerdings nicht zu Parasiten, denn sie reisen nur mit, klauen aber keine Nährstoffe. Extreme Trockenheit macht ihnen wenig aus. Sie können zudem ziemlich groß werden: je nach Art sogar bis zu einem Meter. Vorausgesetzt sie wird regelmäßig mit kalkfreiem Wasser eingesprüht. Dann kann eine Luftpflanze sogar blühen. Wenn sie das tut, freut sich jeden Luftpflanze über ein bisschen fame und ein Bild für den #tillandsiatuesday. Dafür brauht die Pflanze aber auch einen ironischen, süßen Namen. Edmund beispielsweise hat innerhalb von 5 Monaten bereits ein paar Millimeter Wachstum hingelegt und Wurzeln bekommen. Dinge, die nur echte #tillandsialover verstehen, denn für die ist jeder Tag #tillandsiatuesday.

Meine Luftpflanzen und ich, wir kommen ohne Namen aus. Letzten hat eine von ihnen ein Baby bekommen. die namenlose Mutterpflanze gebar ganz unscheinbar eine Mini-Version. Auch sie scheint mit kalkfreiem Wasser und einigermaßen viel Sonne zufrieden zu sein. Die Versuchung Mutter und Kind zu benennen, sie zu Subjekten zu machen, ist groß. Aber noch kann ich ihr widerstehen. Ich überlege aber wieder auf einer gehobenen Veranstaltung Geschirr mitgehen zu lassen, um mehr meiner ätherischen Pflanzen darauf zu betten. Wer braucht schon einen Namen, wenn er auf gestohlenem Geschmeide lebt. 

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