Ziemlich fly: Hip House

Ich muss zugeben, dass Hip Hop mir nie so richtig aufging. Die Verhandlung von Maskulinität, das ganze Gangsterding, die Musik: ich hab ziemlich lange gebraucht, um ich überhaupt an Sprechgesang heranzutrauen. Frühem RnB dagegen konnte ich relativ schnell etwas abgewinnen: die Stimmen, die rohen Housebeats. Jomanda werden genau deswegen immer einen Platz in meinem Herzen haben. Der Refrain von Drifting kann einem einfach nur im Ohr hängen bleiben.

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Ein kleiner Sprung in die Gegenwart: Princess Nokia zeigte mir durch Attitüde und Text, dass ich mich doch an Sprechgesang heranwagen will. Auch Abra ebnete mir musikalisch den Weg zum RnB – wahrscheinlich spielte FKA Twigs ihrerzeit auch eine Rolle. Die Mischung aus Vulnerabilität und Empowerment, die alle drei gemein haben, imponiert mir. Sie stellt eine Verbindung her – zwischen dem Subjekt in Form der Singenden und ihrer Umgebung.

I’m a bruja, I’m a bruja

Don’t you fuck with my energy

Eine Zeile die sich ziemlich smooth ihren Weg in meinem Sprachschatz geebnet hat. Ein Sprung in die späten 70er. The Sugar Hill Gang leistet sich Elemente von Disco, die später auch im House wiederkehren sollen. Es ist der Sinn für körperliche Melodien und eingängige Hihats, der zehn Jahre später eine Mischung aus Hip Hop und House aufbringen wird.

Ende der 80er sind House und Hip Hop auf ihrem ersten Zenit. Die beiden Richtungen entstammen zwar Territorien jenseits des weißen Mainstreams (vor allem in den USA), aber in ihrer Disposition zu Geschlecht und Geld sind sie grundverschieden. Wie gut die beiden zu diesem Zeitpunkt aber noch harmonieren und wie beide zum Teil von den gleichen Leuten gedacht wurde, zeigen diese Tracks. Hip Hop und House passen zusammen, weil beide eine Position verhandeln, die sich gegen strukturelle Diskriminierung einsetzt.

Im New York und Chicago der späten 80er und frühen 90er waren die Szenen vermischt. Sprechgesang bockte den House-Produzenten und Hip Hop profitierte von den House Beats. Die Affäre zwischen beiden Genres währte nur kurz, aber war unheimlich fruchtbar. Acid ploppt in einem Klassiker wie von Mike Dunn natürlich unter den Vocals auf – so lässig, dass man sich wünscht, es gäbe mal wieder ein ordentliches Hip House-Revival.

So let it be house

Und genau hier dockt auch wieder der frühe RnB an. Housemelodien im Hintergrund und natürlich, sonst wären es nicht die 90er, zu viele Effekte und ein paar House Riffs.

Danke an M., die mir die Augen und Ohren für Hip Hop geöffnet hat. Irgendwann musste es kommen – und so wie House die Brücke zwischen beiden Genres war, ebnete mir House 30 Jahre später den Weg zu Hip Hop. Am Ende ist Genre doch eh wie Gender: ein Kartenhaus, das zusammenfällt, sobald man sich mit der Realität beschäftigt. So let it be house.

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