Das mit der Jobsuche ist doch fast wie Dating

Wenn einen Job finden doch nur so einfach wäre, wie einen Typen aufreißen. Man schaut sich in die Augen und weiß: das passt. Aber der Bewerbungsprozess ist natürlich viel langwieriger. Auf das Aufreißen übertragen, bedeutet das: man ist in der gleichen Bar (dem Arbeitsmarkt) und schaut sich um. Treffen die Blicke sich, wird erst von der Ferne gestikuliert, dass man Interesse hat. Das alles passiert sehr höflich. Auf einen kleinen Zettel schreibt man seine Referenzen und Talente runter und reicht den Zettel an die Person weiter, die man aufreißen will. Die schaut sich den Zettel an und wenn alles gut läuft, wird man herüber gewunken. Ob’s was wird, erfährt man nicht sofort, denn es gibt noch mehr Typen, die Zettelchen da gelassen haben. Oft wird man hören: „Ich melde mich zügig“ – was aber in der Regel heißt, dass man nie wieder was von besagtem Typen hört. Aber wenn man ehrlich ist: auf dem Arbeitsmarkt hat man ja immer mehrere Eisen im Feuer. Im Liebesleben manchmal auch. Und auch wenn man bei letzterem auch zuweilen vom Marktwert spricht, dann nicht, weil sich Liebes- und Arbeitsmarkt so ähnlich sind. Das kommt leider aus der Ökonomisierung unserer Sprache, die Wirtschaftsvokabular auf alles anwendet.

Das ganze „nach dem Studium“, das ständige „zielorientiertes Arbeiten gehört natürlich zu meinen Stärken“ und ständige „Teamplay ist für mich selbstverständlich“ – wer glaubt das denn, nur weil es im Anschreiben steht? Das schreibt man doch nur aus der Stellenausschreibung ab. Ist das jetzt wie in der Schule, wo man auch durchkommt indem man einfach abschreibt? Und umgekehrt: wer glaubt wirklich, dass die Früchtebox des potenziellen Arbeitgebers immer prall gefüllt ist? Und sind die Teamevents tatsächlich nur eine getarnte Weihnachtsfeier? Beide Seiten wollen attraktiv wirken, aber gleichzeitig verfloskelt das Vokabular. Auf der einen Seite ist der perfekte Arbeitnehmer: ein stressresistentes Multitalent, dass nicht nur kreativ ist, sondern auch strategisch denken kann, schreiben kann wie ein Pro, aber auch Bildbearbeitung beherrscht, wie ein Kunstfälscher. Deadlines muss man gar nicht setzen, wird sowieso alles abgearbeitet und natürlich immer ein Lächeln auf den Lippen. Ist man ein solcher Übermenschen, dann darf man in einem wunderbaren Büro arbeiten, wo nichts von Ikea, alles ergonomisch ist. Lichtdurchflutet gibt es genug Platz für Meetings (die niemals zu lange dauern), aber auch Rückzugsorte für das stille Arbeiten. In der Küche gibt es saisonal-exotische Früchte und natürlich Abends auch mal ein Bier. Teamevents halten bei Laune. Weil alle an die Firma glauben, verzichten sie auf einen Teil des Gehalts, der wurde nämlich über Anteile abgegolten. So entsteht eine perfekte Symbiose aus moderner Arbeitskraft und einer Arbeit, die im besten Falle nicht nur Spaß macht, sondern auch sinnvoll ist. Aber mal Karten auf den Tisch: so ist das natürlich nicht. Ein paar Abstriche muss man immer machen.

Im Bewerbungsprozess kann schon einiges schief laufen. Hat man es durch den Vortests geschafft, wird man eventuell auch noch zu einem Tag kostenloser Arbeit eingeladen. Das kann dann – je nach Lage der eigenen Qualifikationen – schnell mal einen Berater ersetzen (dessen Tagessatz wäre mindestens dreistellig, aber so ein Bewerber ist ja kostenlos). Wie beim Daten, kann es sein, dass man dann einfach geghostet wird. Ghosting ist eine gängige Praxis um Datingprobleme zu lösen: Anrufe werden nicht mehr entgegen genommen, Verabredungen nicht eingehalten, Nachrichten nicht beantwortet. Noch im Kennenlernprozess ohne Ankündigung einfach auf das Abstellgleis gestellt werden macht aber auch klar: da hätte man nicht arbeiten wollen. Auch schön: es kam schon zur Verhandlung um Vertragsbedingungen und Gehalt. Alles läuft gut, man wartet nur noch auf ein Go aus dem Management und dann: Ghosting. Keine Antworten auf Anrufe oder Mails mehr. Aber wie beim Daten heißt es dann: nicht traurig sein. Das hat halt einfach nicht gepasst.

Bekommt man eine ordentliche Absage, dann heißt es: lass uns Freunde bleiben. In HR-Sprech sagt man dann: Für die Zukunft wünschen dir weiterhin viel Erfolg und kommen auf Dich zurück, wenn wir was passendes haben. Klar. Sind wir doch mal ehrlich: es muss nicht immer passen. Wir sind einfach an verschiedenen Punkten in unserem Leben. Keine Krokodilstränen bitte.

Es gibt keinen perfekten Partner – und natürlich keinen perfekten Arbeitgeber. Beide wollen sich aufplustern und der eine spielt „hard to get“, der andere will sich aber auch nicht anbiedern. Wenn es dann aber passt, keiner geghostet wurde, alles unterzeichnet ist: dann steht einer romantischen geneinsamen 40-Stunden-Woche nichts mehr im Weg. Hach. Happy End. (Übrigens: ich bin derzeit zu haben.)

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