Die letzten fünf Minuten

Jemand hat mich gefragt, was ich in den letzten fünf Minuten meines Lebens machen würde. Meine spontane Antwort, mit einem Rotwein in der Hand, war: Drogen und Sex. Mein zweiter Gedanke war: meditieren. Aber will ich wirklich in meinen eigenen Tod hinein meditieren? Will ich den Übergang, so es einer ist, in eine andere Ebene wirklich transzendierend erleben? Oder mich in vermeintlich irdische Gelüste werfen? Warte, mit dem letzten Gedanken laufe ich in eine Falle. Ist denn Sex und sind denn Drogen nicht auch Transzendenz? Zumindest wenn sie gut sind.

Jedenfalls war ich mit meiner Antwort nicht zufrieden. Weil es ein Interview war, kann ich meine Antwort im Nachhinein schwer korrigieren, das machen nur Politiker bzw. deren Sekretariate. Eine dritte Antwort kam mir dann aber in den Sinn, viel später, als der Rotwein schon verklungen ist und ich schon kein Glas mehr in der Hand halte. Ich würde gerne in meinen Tod hinein schreiben. Wenn mir die Zeit davon läuft, einfach schreiben. Was wären meine letzten Worte? Was wären die letzten Gedanken, die ich zu elektronischem Papier bringen würde? An dieser Stelle möchte ich dem Schulsystem dafür danken, dass ich einen Tastaturkurs hatte, denn jetzt kann ich Zehn-Finger tippen und mit asdf jklö kommt man weiter, als mit einem Stift auf Papier. Wahrscheinlich wären meine letzten Worte dann unleserlich. Hat das nicht auch eine poetische Ebene? Warum kommt mir jetzt ein Abschiedsbrief in den Sinn? Das ist doch nur ein Gedankenexperiment. Aber ich muss das Experiment ernst nehmen, wenn es funktionieren soll. Jedenfalls habe ich einen melanch

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