Alltagsästhetik: Das virtuelle Casino

Casinos sind nicht nur Orte, an denen man dem Glücksspiel frönt. Sie sind wie ein Biotop mit Gravitation, sie haben eine Aura, sie umweht eine ganze Ästhetik. Eine Ästhetik, die mit einem Versprechen einhergeht, das so unwirklich scheint, aber trotzdem im Raum hängt wie ein schwerer Duft. Es ist das Versprechen schnellen Reichtums. Das ultimative Phantasma des Kapitalismus. Der Eintritt ins Paradies der Sorglosigkeit ohne Umweg – oder zumindest die Chance dazu. Das sorgenfreie Nirvana, wo jede Rechnung gleich beglichen ist, karmisch von den Fesseln der proletarischen Existenz gelöst, endlich Teil der 1%. Der Prunk, der Glamour und der Pop gehören hier her und wenn man in Zeiten der Krise an diesen abstrakten Ort denkt, dann hat das schon beinahe etwas anachronistisches. Ist es Zufall, dass in Las Vegas, der Hauptstadt der Casinos und auch des Pop, so viele Wedding Chapels stehen? Pech im Spiel, Glück in der Liebe lässt sich dann sofort umsetzen und aus einem Trostpflaster wird ein Bund fürs Leben. Hier kann man schon einen Finger in die klaffende Wunde des Kapitalismus legen: die Verbindung der bürgerlichen Ehe als ökonomischer Einheit, die um die romantische Liebe erweitert, banalisiert, was sie zu verbergen sucht. Die schiere Notwendigkeit der bürgerlichen Ehe als Disziplinierungsmechanismus entlarvt sie als Kronzeuge für die Frage nach dem Fehler im System. Das Pech im Spiel haben wir alle, denn wir können nur verlieren. Das Glück in der Liebe wurde erfunden – oder ist es echt?

Die Frage nach der Authentizität, nach dem Ursprünglichen, nach dem Genialen muss scheitern, weil sie die falsche Frage ist. Zumindest das falsche Werkzeug, denn die Simulation ist das Regime unserer Wahrnehmung. Es ist nicht wichtig, ob etwas ein Original ist oder nicht. Die Digitale und die Virtualität reichen unseren Gehirnen als Input. Die Realität selbst lässt sich erweitern. Der Glasbildschirm, der kalte Verführer, ist dennoch eingeschränkt. Seine Produkte sind das Ergebnis eines selektiven Transformationsprozesses. Aus dem Casino mit seinem Glitzer und Pop, mit seinem Rausch und seinen Kapellen wird online etwas Neues: das Online Casino, wie z.B. das 32red online casino, ist dabei aber kein Zeichen ohne Referenz. Es kann nicht existieren, ohne zu übersetzen, was im Casino passiert. Das Online Casino ist eine Übersetzung und wie jede Übersetzung, muss die Ausgangssprache genauso gesprochen werden wie die Zielsprache. Nur dann kann die Übersetzung funktionieren. Und eine funktionierende Übersetzung ist eine, die den Inhalt des einen Zeichenteppichs in neue Zeichenteppiche überwebt – mit dem Set, das die Zielsprache vorgibt. Von der Realität in den Browser, was bleibt übrig?

Der Pomp ist noch immer da. Der Pop auch. Der Überfluss hinterlässt seine ästhetischen Spuren. Ein Farbverlauf von rot nach schwarz spielt mit einer seit dem Mittelalter wirkenden Assoziation: Rot ist als Pigment für Bilder schwer zu bekommen, Stoffe damit zu Färben genauso kostspielig. Das Rot bleibt also den Königen vorbehalten, ähnlich wie Blau, und so signalisiert Rot noch heute eine gewisse Exklusivität. Einhergehend mit dem rot der Könige ist das Versprechen des eigenen Aufstiegs. Selbst rot zu werden, selbst ein König zu werden, das ist was das Casino antreibt. Online genauso wie in der Welt der Objekte. Das Schwarz gibt dem Rot, das auch billig wirken könnte, eine gewisse Seriösität. Rot ist nicht gleich rot, zu viel rot kann ins kitschige Umschlagen, kann wirken wie ein Chic der zwar prunkt, aber nicht wirkt, nur scheint. Das ist die Gefahr der Krise: die Zeichen sind prekär geworden. Oberstchicht und Unterstschicht fangen an in einem Einheitsbrei zu schwimmen, der nur noch durch Preise voneinander unterscheidbar ist, ästhetisch sich aber nichts nimmt. Was dem Rot aber niemals genommen wird, ist die Gefahr. Und genau damit spielt Casino auch: mit der Gefahr des Verlusts. Abhängig von den im Körper produzierten Hormonen ist die Gefahr aber auch Lust und auch das evoziert das Rot. Die Lust am Gewinn ist auch die Lust am eigenen Verlust. Aggression die der Spieler gegen sich richtet? Nichts anderes ist es, wenn jemand sich einem Risiko aussetzt. Den Verlust in Kauf nehmen, alles verlieren zu können und wollen, das ist selbstreferenzieller Suizid, zumindest finanziell.

Schwarz ist auch die Farbe der Garderobe, die online wegfällt, denn man kann hier im Pyjama spielen. Das Online Casino, es lebt von seiner Latenz und seiner ständigen Verfügbarkeit. Auch wenn es damit eine neue Form eingeht, sich überführt, es hat noch immer den Code der riesigen gefüllten Halle voller Menschen, die im Abendkostüm umherschreiten und wie Geheimagenten aussehen. Es ist der Charme des Kapitalismus, der im Casino auflebt. Casino und Kapitalismus bedingen einander. Nicht umsonst hat das Glücksspiel seinen Ursprung in den Zentren des frühen Kapitalismus. Es gab bereits lizensiertes Glücksspiel bei den Flandern, protestantisch und ordentlich. Die Spiele haben sich vielleicht geändert, die Orte vielleicht auch, aber egal ob in der Frühen Neuzeit oder jetzt vor dem Glasbildschirm: das Casino war schon immer das ultimative Phantasma, der feuchte Traum, die Notwendigkeit im System. Es verkürzt das Versprechen des liberalen Strebens auf die Notwendigkeit des Glücks. Es löst die rationale Gleichung der harten Arbeit zu Gunsten des Zufalls auf. Finger in der Wunde, alles auf rot.

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Bild via flickr.

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