Queer.de startet Watchblog zu Rechtspopulismus.

Das letzte Jahr war nicht nur der Raketenstart von PEGIDA, sondern auch das Jahr, in dem sich zeigte, wie divers die schwule Community eigentlich ist. Mit Blick auf die Emanzipationsgeschichte und die Figuren, die es zu Medienwirksamkeit gebracht haben, schließt man bei schwulen Männern zu schnell auf ein zumindest liberales (schlimm genug), oder links-liberales Weltbild. Dass das nicht der Realität entspricht, war klar, aber es gab auch zu wenig Medienpräsenz von Gegenbeispielen. David Berger räumte kräftig auf und stilisierte sich zum Märtyrer: erst im Kampf gegen die Kirche, eine durchaus sympathische Figur auf Talkshow-Sofas. Jetzt aber ist der Ex-Theologe nicht mehr auf Kriegsfuß mit der Kirche. Jetzt wäre er lieber der Heilige Sebastian, um mit seinem gestählten Körper von einem Baum zu hängen, damit die “Genderideologen” und das böse, schwule Medienestablishment ihn mit ihren giftigen Pfeilen durchbohren können.

Weitestgehend eine medieninterne Diskussion, bei der Berger, der das Lifestyle-Magazin MÄNNER leitete, Meinungsfreiheit mit einem Forum für Rassismus, Sexismus und homo-normative Doktrinen verwechselte. Kritik an den von ihm hofierten Meinungen und Autoren diffarmierte er unsachlich. Auch ein Ex-Theologe ist halt immer noch ein Theologe. War sein öffentlich gemachtes, persönliches Leiden unter der Kirche durchaus ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte, wohl auch eine Gemeinsamkeit mit den “Genderideologen”, so ist er jetzt, die Ketten gesprengt und gestählt, ein freier Mann, der doch wohl auch mal sagen darf, was er denkt.

Unfreiwillig wurde der Märtyrer zur Spitze eines Eisbergs, dessen Entdeckung unvermeidlich war: schwuler Rechtspopulismus. Ein Phänomen, dem queer.de jetzt einen Watchblog widmet. Unter der Doman queeriban.de (der Name ist Inspiriert von einer Aussage David Bergers) widmet sich die Redaktion von queer.de jetzt David Berger und dem Rechtspopulismus in der schwulen Community. Welche Community? Das ist eine Frage, die ich an anderer Stelle diskutiert habe. Welchen Rechtspopulismus? Schaut man auf die Kommentare, die unter David Bergers Chefredaktion ihren Weg in die Öffentlichkeit fanden, fasst man sich an den Kopf.

Ob David Berger so viel Aufmerksamkeit verdient, sei dahin gestellt. Dass er sie will, bleibt ohne Frage. Der “bekannteste schwule Journalist im Lande” (taz) hat auch ohne Chefredakteursposten weiterhin Medienpräsenz, wie beispielsweise in The European, wo er vom Ende des Gay-Ghetto fantasiert. Es bleibt zu hoffen, dass Berger nur ein kleiner Rülpser in der Medienlandschaft bleibt, bleibt aber genauso zu befürchten, dass er sich an der Spitze des politisch unterkühlten Eisbergs hält. Sich zum Frontkämpfer einer schwulen Revolution von rechts außen macht. Egal, ob mit oder ohne Berger – Rechtspopulismus sollte auf unserem Radar bleiben.

//

Bild: Screenshot eines Artikels aus Männer via queer.de.

Comment (1)

  1. robertniedermeier

    Gay-Ghetto-Berger macht Jungs lesbisch… http://reiserobby.de/die-neueste-statistik-des-luegenbergers/ via @reiserobby

Leave a Reply