Alltagsästhetik: virtuelles Einkaufen

“We are S-H-O-P-P-I-N-G, we’re shopping” heißt es in einem Song der Pet Shop Boys aus den späten 80ern. “It’s a sin” will man dransetzen, aber das klingt gleich wieder nach Marketingsprech. In den letzten 30 Jahren hat sich die Tätigkeit, die man auch auf Deutsch “shoppen” nennt, stark verändert. Shoppen, wohlgemerkt, das sich semantisch von einkaufen insofern unterscheiden kann, als dass einkaufen wohl eher Lebensmittel meint. Shoppen dagegen ist eine lustige Angelegenheit. Beim Shoppen wird sich mit besten Freunden getroffen, Kaffee getrunken, anprobiert, gequatscht – das ist zumindest, was uns medial vermittelt wurde. Konsumenten-Früherziehung. Dabei hat man einen Shopper dabei, eine dieser großen Taschen, die man vorher shoppen muss um später damit shoppen zu können. Damit ist der Shopper als Zeichen des Shoppens eine bereits geshoppte Trophäe. Aber das sind mittlerweile Relikte aus den späten 90ern und Jahren nach dem Millenium. Das Internet hat die Regie übernommen. Anstatt einfach in den Laden zu gehen, wird beim Einkaufen auf massive Informationspolitik gesetzt. Im Grunde genommen weiß man schon, was man will, bevor man den Laden betritt. So er überhaupt noch betreten wird. Wozu dann noch der Shopper? Gute Frage. Vielleicht um ihn einfach zu haben?

In den letzten beiden Jahren hat sich die Zahl der Internetnutzer, die online einkaufen verdoppelt und der Anteil der Nutzer, die sich das gar nicht erst vorstellen können, dümpelt irgendwo auf dem Niveau von FDP-Wahlergebnissen. Manche Menschen sind halt resistent gegen den Zeitgeist.

Online einkaufen ist aber zweifelsohne the shit. So vor dem Bildschirm abhängen und scrollen, das kann man nicht nur auf Facebook in der Hoffnung Nachrichten von Wert zu lesen, das Zen des Surfens bezieht genauso das Einkaufen mit ein. Aber so wie man mittlerweile mit Newslettern und Angeboten vollbombardiert wird, verkommt das meditative Surfen eher zum Trip durch eine gif-blinkende Hölle. So viel Kaufanreiz und -kraft kann kein Mensch aufbringen. Alternativen gibt es durchaus: eine Zwischenstufe, vielleicht für die knapp 5%, die online nicht einkaufen wollen, annehmbar, wäre beispielsweise ein Service wie Locafox. Wer nicht ganz auf die Erfahrung von Einkaufszeile und Ladengeschäft verzichten will, aber auch keine Enttäuschung eingehen kann, der sucht sich einfach online raus, was er kaufen möchte und reserviert es sich. Damit ist man halb Jäger, halb Sammler, mit einer treffsicheren Quote. Ein Hybrid aus den Vorteilen des Online-S-H-O-P-P-I-N-G ohne das Risiko etwas zurückschicken zu wollen, das dann aber nicht zu können, weil man dafür zu faul ist. Eine clevere Idee eigentlich. Eine gute Gelegenheit den Shopper auszupacken? Wohl auch.

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Bild via flickr.

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