Tausend Tode schreiben.

Im Hause C.Frohmann, einem der vielen tollen eBook-Verläge, die in den letzten Jahren aufkamen, entsteht gerade ein Mammutprojekt, das zeigt, wo die Stärke digitalen Publizierens liegt. Unter dem Titel „Tausend Tode schreiben“ versammelt Herausgeberin Christiane Frohmann Perspektiven auf den Tod, die so unterschiedlich sind, wie ihre Autoren. Das Projekthafte des tausend-textigen Unterfangens drückt die Ankündigung treffend aus:

„‘Tausend Tode schreiben’ ist ein groß angelegtes Projekt. Die Idee ist, dass tausend Autoren tausend kurze Texte über den Tod schreiben: Persönliche Begegnungen, wissenschaftliche Betrachtungen, Fiktion. Diese vielfältigen Texte sollen zusammenwirken als ein transpersonaler Text, der – so die Annahme – einiges über das aktuelle Bild des Todes in unserer Gesellschaft verraten wird.“

Eine Annahme, der man folgen will, nachdem man den ersten Band gelesen hat, der mit knapp über 150 Texten auskam – das letzte Update brachte schon 247 Texte zusammen, d.h. 247 verschiedene Autoren, professionelle wie interessierte, die nebeneinander stehen und den „transpersonalen Text“ weiter schreiben. Die literarische Qualität der Texte schwankt natürlich. Das Thema ist kein Thema, das man sich zwingend stundenlang am Stück geben kann, aber tatsächlich sind viele der Betrachtung heiter, gelöst und zuweilen ironisch, machen Mut und ermuntern dazu sich mit dem Tod zu beschäftigen. Der Tod ist nicht das andere, etwas, das wir vermeiden müssen, dem wir zu entkommen hoffen, sondern ein Alltagsphänomen, das niemals banal sein wird, dafür aber, wollen wir dem Leben trotzen, integriert werden muss.

Der Tod wird als Thema nie redundant, die Betrachtungen sind vor verschieden, dass man meinen könnte, es ginge um das Leben selbst und nicht um dessen Ende, das so traurig, so hart und manchmal so schön sein kann, dass es einem beim digitalen Blättern auch mal eine Träne rausdrückt. Bekannte Autoren sind darunter, aber auch weniger Bekannte, Twitterer mit entsprechendem @ vor dem Namen und vor allem Menschen, die nicht zwingend professionelle Schreiber sein müssen, um an diesem Flickenteppich zu weben, der hoffentlich halt gibt, wenn es hart auf hart kommt und dazwischen Lust auf das Leben macht, so kurz es manchmal ist.

Text Nr. 186 stammt aus meiner Feder und kann hier als Leseprobe eingelesen werden. Das kann natürlich nicht mehr als ein Ausschnitt sein, ein tausendstel dessen, was in der finalen Version zu finden sein wird. Wer selbst etwas über den Tod zu sagen hat, der kann findet auf der Website des Verlags das aktuelle Exposé – sprachlich ist alles willkommen, auch über Deutsch und Englisch hinaus. Der nächste Teil erscheint Mitte Februar und abgeschlossen soll das Projekt mit der endgültigen, vierten Version im März zur Leipziger Buchmesse sein.

Was das ohnehin schon spannende Projekt noch sympathischer macht, ist, dass der Erlös des Verkaufs an das Kindersterbehospiz Sonnenhof in Pankow. Vielen Dank an Christiane Frohmann für das tolle Unterfangen und gutes Gelingen für die restlichen Texte – ich bin froh Teil des Projekts sein zu dürfen.

Tausend Tode schreiben (erschienen im Verlag C. Frohmann) ist unter anderem bei minimore.de erhältlich und kostet 4,99€. Der Erwerb der aktuellen Version kauft auch die folgenden Versionen mit ein.

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C. Frohmann

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