Subjekte in Zeiten von Grindr. „Wanna Play?“ – Nachtrag.

Auch wenn ich gestern bereits meine Beurteilung der Performance „Wanna Play?“ von Dries Verhoeven geteilt habe, geht mir das Thema nicht aus dem Kopf. Die Installation ist zu Ende gekommen, Parker T. hat es geschafft so großen öffentlichen Druck durch seine affektheischende Rhetorik aufzubauen, dass das HAU eingeknickt ist und einen Künstler im Regen stehen lässt, den es selbst zu verantworten hat. Der konkrete Vorfall ist beendet und Verhoeven zieht sich von der Öffentlichkeit zurück, um zu reflektieren was passiert ist, für ihn, die Öffentlichkeit und in seinem Projekt.

Wir bleiben zurück mit einem flauen Gefühl im Magen. Was gestern im HAU passiert ist, fühlte sich an, wie ein Teilnehmer hinterher bemerkte, wie ein Pogrom. Was im HAU aufgeführt wurde, war ein Lehrstück in Sachen Gruppendynamik im 21. Jahrhundert. Die Performance von Verhoeven provozierte eine diskursive Gruppen-Performance, ein Theaterstück, das die ästhetische Ebene schnell verließ und zur Politik wurde. Nehmen wir also die Dynamik zwischen Dries Verhoeven und Parker T. als Ausgangspunkt für eine Analyse des auftauchenden Streits zwischen zwei „künstlerischen” Positionen, zwei schwulen Subjektivitäten, zwei Kulturen.

Den Vorfall auf Facebook zu dokumentieren und darüber zu berichten ist ein vollkommen legitimer Akt, der dem Dispositiv der sozialen Medien entspricht. Sag- und mitteilbar ist alles, was nicht durch die Regeln der sozialen Netzwerke verboten ist und das eigene Image positiv beeinflusst. Posts sind grundsätzlich auf Stärkung der eigenen Position gebürstet, sonst würden sie nicht funktionieren. Parker T.s Post setzt allerdings auf eine Rhetorik der Anteilnahme und des Opferseins, die in Teilen nicht nur die eigenen Gefühle extrem überspitzt beschreibt, sondern auch zur emphatischen Reaktion aufruft bzw. dorthin gehend manipuliert. Seine Aussagen bieten die Möglichkeit der Identifizierung und alarmieren zugleich so sehr, dass die meisten Leser seines Posts ohne besseres Wissen auf seine Lesart der Performance aufspringen können.
Während man die Gefühle, der Person, die unfreiwillig und wider besseres Wissen und trotz vieler Hinwiese und Verfremdungsmechanismen Teil einer Performance wurde, nicht beschneiden oder verurteilen kann, gibt es sehr wohl so etwas wie die Verantwortung des Opfers als Verantwortung einer Person, die eine öffentliche Debatte anstößt. Dieser Verantwortung wurde Parker T. nicht gerecht. Während er dem Künstler vorwirft, aus dieser Situation nutzen zu ziehen, ist er es, der als Performer bzw. Drag Queen Nutzen aus dieser Situation ziehen kann. Letztlich ist es irrelevant, wer durch die Öffentlichkeit profitiert, denn es war die Rhetorik des Opfers, die den Stein ins Rollen brachte. Die Rhetorik der Emotionalisierung, der Effekthascherei und die Selbstilisierung über das Maß des Vorfalls hinaus, machen alle Fragen, die das Projekt stellt, komplett mundtot.

„Wanna Play?“ ist die Eingangsfrage. Berechtigterweise ist das „Opfer“ nicht dazu bereit unter den Bedingungen der Performance mit Verhoeven zu interagieren, es ist darüber hinaus nicht dazu in der Lage seine eigene Rolle in dieser Aufführung zu reflektieren und wird stattdessen handgreiflich. Kein Innehalten, kein Gedanke wird verschwendet, stattdessen verletzter Stolz und Betroffenheit zur kommunikativen Handlungsmaxime. Es gibt keine Argumente, nur leere Hülsen, in dieser Diskussion. Von Naivität, Arroganz, Widerlichkeit ist die Rede – aber keine echte Diskussion um Inhalte.
Ein rhetorischer sehr geschickter Move ist die Anrufung des Sicherheitsdispositivs: Datenschutz in Gefahr, Persönlichkeitsrechte verletzt – wie kann da jemand in diesen Zeiten noch eine Performance gut heißen. Privatsphäre (eine historisch gewachsene, bürgerliche Erfindung, kein Grundrecht, sondern eine historische Größe, die man durchaus verteidigen wollen kann), ist das letzte heilige Gut unserer Zeit. Und scheinbar ist Privatsphäre so wichtig, dass man jemanden, der sie verletzt, öffentlich denunzieren darf. So wichtig, dass es keine Entschuldigung gibt.

Jetzt gab es gestern in einem Theatersaal des HAU die Möglichkeit der öffentlichen Diskussion über den Vorfall. Es war ein bisschen, wie im „Besuch der alten Dame“, dem bekannten Theaterstück von Dürrenmatt, wo eine ältere Frau in ihr Heimatdorf zurückkehrt und ihren alten Liebhaber systematisch denunziert, bis das gesamte Dorf den ehemaligen Liebhaber aus den eigenen Reihen sosehr hasst, dass sie ihn am Ende kollektiv ermorden. Der Mord im Kollektiv verwischt den Täter, die alte Dame selbst, zwar Anstifterin, aber letztlich auch nicht schuldig. Die Gruppe lässt das Individuum verblassen, entzieht es dem moralischen Urteil und übergeht damit jede Gerechtigkeit.
Die alte Dame, die gestern im HAU zu Besuch war, war leider nicht Hannah Arendt. Das wäre schön gewesen. Hannah Arendt wird aber bemüht, um die Situation zu analysieren, wie auf iheartberlin.de zitiert. Dort heißt es:

„Your complete lack of ethics in your ignorance of basic protocols of privacy, consent, and participation is unjustified, and to use the excuse of “art” as a space where “anything is possible” and you are just doing “your work” is hand-in-hand with what Hannah Arendt sensitively described as the “banality of evil”. What is “evil” according to Arendt’s reading of Eichmann is simply the refusal to think, or even, that no thinking was ever a thought to begin with.“

Neben den starken Modifizierungen (complete lack, ignorance, basic) und den diffamierenden rhetorischen Schüben (excuse, „art“, „your work“) ist die Lesart von Arendts Theorem der „Banalität des Bösen“ hier vollkommen unberechtigt und kurzgegriffen angewendet. Der Verweis auf Eichmann hinkt, weil Verhoeven lediglich den Fehler im System aufdeckt, und das in einem safen Space. Er macht einen Fehler, weil er Grenzen überschreitet, aber es liegt am öffentlichen Debattieren diesen Fehler zu verzeihen und daraus Schlüsse zu ziehen, anstatt ihn vorschnell zu verurteilen. Eichmanns Bürokratentum mit Kunst gleichzusetzen setzt auf eine fragwürdige Interpretation der deutschen Geschichte und fragwürdige Arendt-Rezeption. Der Autor des Kommentars, anwesend im HAU am Sonntag, langweilte das Publikum mit anderen akademischen Ausführungen, die nicht minder minderkomplex waren.

Zurück zu Arendt und ihrer Fehlanwendung, die man pervertiert spiegeln kann. Arendts These von der Banalität des Bösen sagt, dass das Böse in seiner Mittelmäßigkeit und Unreflektiertheit, seine im Individuum nicht nachvollzogene Reflektion, seine Aktualisierung findet. Das Böse ist banal, weil es immer möglich ist. Es ist banal, weil es ohne Monster auskommt. Es ist banal, weil es radikal nicht sein kann und auch nicht auf Dauer ausgelegt. Es kann nicht verändern, sondern nur konservieren. Nur das Gute ist radikal, weil es Veränderungen anstoßen kann.
Die Attacken auf den Künstler, der sich im HAU der Öffentlichkeit stellte, waren durchweg emotional, betroffen und persönlich. Kaum einer der Diskutanten war dazu in er Lage, seine persönliche Betroffenheit, seine Involviertheit und Verletztheit vor den anderen zu verstecken. Es gab keine Meta-Ebene, stattdessen nur, tatsächlich, Banalitäten und konservative Haltungen. Diese Banalitäten, diese Durchschnittlichkeit, widerspricht dem progressiven Anspruch, den die queere Community an sich selbst haben sollte. Es fehlte an allen Enden an Radikalität und der Fähigkeit sich von den bürgerlichen Setzungen zu befreien. Müssten queere Subjekte nicht eigentlich an der Dekonstruktion von Identität und damit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte gelegen sein? Müssten wir nicht aufspringen und sagen: nimm die Informationen über mich, was soll schon geschehen? Die gleichen Menschen, die verdrufft in Partykameras linsen und sich danach auf Facebook posten lassen, wo die Bildrechte bei einem amerikanischen Konzern landen und von mehr Menschen gesehen werden, als auf den Heinrichplatz passen, echauffieren sich hier über die Sichtbarmachung der kollektiven Verletzlichkeit, als wäre dieser Effekt der Performance eine bewusste Attacke – etwas böses – und nicht etwas radikales, Veränderungen anstoßendes und damit nach Arendt gutes.
Im HAU kam ein Mob zusammen, der den Diskutanten nach vor allem aus amerikanischen Migranten (die sich selbst Expat nennen, um nicht mit Menschen aus Mexiko oder der Türkei verwechselt zu werden, oh lord!) bestand. Die ironiefreie und zornige Selbstgeilheit dieser Menschen, die Unfähigkeit zu Distanz zur eigenen Persönlichkeit und ihrer Einbindung in neoliberale, kapitalistische, hegemoniale Strukturen, behinderte eine reflektierte Position. Die Imperative des Kapitalismus sind so laut, so stark, so vehement, die Spießer im 21. Jahrhundert so stark, dass die schwule Emanzipationsbewegung zu einer Kaffeefahrt geworden ist.
Das Böse zeigte sich gestern in der Fetischisierung der Privatsphäre als höchstes zu schützendes Gut, über alles andere gestellt. Die Banalität waren die Mittelklasse-Expat-Hipster, die ein Pogrom veranstalteten, unter der stümperhaften Moderation eines überforderten Dramaturgen und einer peinlich opportunen Direktorin. Martin Dannecker, renommierter Sexualwissenschaftler und wichtiger Teil der Emanzipationsgeschichte, hatte dann zwar interessantes über die Chatkultur zu sagen, aber auch er verfehlte leider den Kern der Diskussion, weil sein Zugriff auf das Chatten durch andere Sozialisierungsgeschichten altbacken sein musste.

Die Frage ist „Willst du spielen?“ wurde von einem kläffenden Köter beantwortet, der den Fragenden zerfleischte. Dem kläffenden Köter, in Form des wütenden Mobs im HAU gestern, stelle ich die Frage: „Willst du denken?“
Wo ist die „Community“, wenn sie so ein so schlechtes Immunsystem hat, sich so sehr und stark von bürgerlichen Diskursen verführen lässt, dass sie sich selbst zerfleischt? Das ist falsch verstanden Solidarität um – ja was eigentlich willen?

Parker T. ist ein Performer. Er selbst bezeichnet sich in seinem Statement als „Künstler“, lässt dabei aber unreflektiert, welche Kunst er vertritt (nämlich lediglich die Kulturindustrie, nicht aber die bildende Kunst, auch wenn die Grenzziehung blurry ist). Als Host von Ru Paul’s Drag Race vertritt und verkauft er eine Show, die aus queerer Perspektive kritisierenswert ist. Die normierende, neoliberal durchorganisierte, vermarktete und höchst kompetitive Show ist, die sich selbst in transphobe Diskurse verstrickt. Ru Paul selbst als Figur ausgenommen, die Show hat sich ein Subkulturphänomen angeeignet und durch einen Banalisierungsprozess komplett ihrer Radikalität beraubt. Die inneren Widersprüche des Systems „Drag“ werden durch den Integrationsprozess in das Massenentertainment nicht nur nicht aufgelöst, sondern schlimmer noch, verhärtet. Die Konsequenz: Drag Queens werden genderkonservativ definiert und zu Lasten von Transpersonen wird diskriminiert, ganz abgesehen von der Essentialisierungsgeste in Richtung Weiblichkeit und was eine Frau „eigentlich“ ausmacht.
Als Künstler aus dem Bereich der Kulturindustrie ist er in einem Bereich angesiedelt, der zwar das Potential hat, hegemoniekritisch zu agieren, wirkt aber letztlich nur an der Verfestigung der bestehenden Verhältnisse mit. Er ist systembejahend und stabilisiert das Gender-, Herrschafts- und Meinungsbildungssystem vom Rand des „Innen“. Unfähigkeit Konflikte auszuhalten verstellt die Perspektive auf die Konsequenzen des eigenen öffentlichen Handelns, das nur darauf gepolt ist, alle Menschen auf die eigene Seite zu ziehen – was im Rahmen einer Performance wichtig ist, aber in der Realität der Politik leider falsch. Konfrontiert mit einem Kunstdiskurs, der andere Ansprüche und Fragen stellt, als der Popdiskurs, prallen zwei Welten aufeinander.
Auch die sexuelle Performance der beiden Akteure könnte unterschiedlicher nicht sein: der hippe, ostentative Amerikaner auf der einen, der zurückhaltendere und aus hipper Sicht nicht disziplinierte Niederländer auf der anderen Seite.
In dem Moment in dem der junge Amerikaner vor einem Bildschirm steht, der seine privaten Informationen widerspiegelt und sein Bild, seinen Hund und vieles mehr, wird er vom selbstbewussten Subjekt zum Objekt. Wer macht ihn zum Objekt? Ein Mann, der nicht sein Typ sei, wie er selbst in seinem Statement zugibt. Seine Subjektposition und damit sein Stolz sind verletzt, so verletzt, dass der Agent der Kulturindustrie seine publikumsputschenden Fähigkeiten als Entertainer nutzt und einen demagogischen Aufschrei startet. Er, der als attraktiv bewertete Amerikaner mit Standing in der Szene, wurde von einem weniger attraktiven Unbekannten, dazu auch noch „Künstler“, beleidigt. Majestätsbeleidigung. Die Rache folgt also auf dem Fuße.

Die Rhetorik von Parker T. ist dabei mehr als bedenklich. Von „digitaler Vergewaltigung“ ist die Rede. Eine Analogie, der man gar nicht erst zustimmen darf, weil Opfer von Offline-Vergewaltigungen mit Sicherheit andere Perspektiven auf Traumatisierungsprozesse haben. Ihre Subjektivität wurde nicht nur in Objektsein verwandelt, sondern stark verletzt wenn nicht sogar zerstört. Nicht der Stolz, sondern Geist und Körper. Parker T. überschreitet also eine Grenze, wenn er von Vergewaltigung spricht, die andere Menschen, viele andere Menschen, durch sein persönliches „Leiden“ diskreditiert. Er schreibt sich in einen großen Opferdiskurs mit ein, während er selbst zum gewalttätigen Akteur wird.
Das Verführerische an seiner Rhetorik ist dann auch das Gefährliche, damit Böse und damit Faschistische. Die Drag-Skills werden pervertiert ausgenutzt; sie zeigen unabsichtlich das Potential von Show-Mechanismen, die nur darauf ausgelegt sind, Sympathien zusammeln. Nach Walter Benjamin ist der Faschismus die Ästhetisierung der Politik, der Kommunismus dagegen die Politisierung der Ästhetik (die Definition kommt aus  dem „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“). Diesen Widerspruch kann man auf die Antagonisten unseres öffentlichen Schauprozesses übertragen:
Der Künstler versucht die ästhetische Operation politisch aufzuladen und geht damit das Risiko ein, in Konflikt mit dem Gesetz zu kommen oder zu provozieren. Das Kunstdispositiv schreibt ihm dabei vor, was er kann, dabei ist die Kastrierung des Kunstdispositivs vorprogrammiert, in dem Moment, in dem ein Vertreter der Kulturindustrie auftaucht. Der künstlerische Ausdruck wird umgemünzt in einen persönlichen Affront, der unentschuldbar ist. Alle Fehler im Prozess der Performance sind absolut und müssen zur endgültigen Vernichtung des Werks führen. Es muss weg, darf nicht weiter bestehen und auch nicht flexibel reagieren. Die Politisierung der Ästhetik wird unmittelbar unterbunden. Stattdessen: Facebook-Statement, öffentlicher Aufritt (Parker T. verlässt den Saal nach einer Rede, die er vorhereitet hatte, ohne dass ihm das Wort gegeben wurde, kommt aber wieder, als die Diskussion trotz seiner Rede weitergeht), erneutes Facebook-Statement und die Reaktionen der „Community“ sind voll von Affekten, Effekten und rhetorischen Strategien der Stilisierung und Emotionalisierung, als Instrumente der Ästhetik, die auch im Faschismus zur Anwendung kommen. Die Ästhetisierung der eigenen, persönlichen Politik, die Überfrachtung der Form zu Lasten des Inhalts, machen es schwer für Außenstehende den Prozess nachzvollziehen ohne intuitiv auf die rhetorische Strategie hereinzufallen. Die Kulturindustrie nimmt die Kunst damit als Geisel und zeigt ihr, wer in diesen Tagen das Sagen hat. Die Deutungshoheit liegt bei dem, der lauter schreien kann. Der Künstler ist Tod, lang lebe der Entertainer.

Jetzt habe ich den Hannah Arendt-Ball (s.o.) nur aufgenommen, aber will das Spiel mit ihm weitertreiben. Wenn wir mit Benjamin beweisen können, dass die rhetorischen Strategien der Ästhetisierung im Kern faschistische Ursprünge haben, dann ergibt sich eine neue Perspektive auf die Situation im HAU. Ähnlich wie die Reaktion der jüdischen Gemeinschaft auf Arendts Aussage über die Judenräte, die mit den Nazis kollaborierten, sehen wir hier Rhetoriken der Diffamierung und Aggression. Arroganz, Naivität, Widerlichkeit – alles affektive Zuschreibungen, müssen sich alle anhören, die das Projekt nicht verteufeln wollen. Wie auch Arendt in der Rezeptionsgeschichte ihrer Perspektive auf den Eichmanprozess, sind angeblich Nestbeschmutzer, wer nicht auf den Hasszug aufspringt.
Die Banalität des Bösen in den eigenen Reihen anzuerkennen, ist nicht möglich – stattdessen wird angegriffen und angerotzt.

Was bleibt von der Liebe, bei all dem Gezeter?
Liebe setzt voraus, dass wir uns als Objekte fühlen können. Als Objekt für den anderen, der uns liebt, weil wir Zuschreibungen aushalten müssen, die wir nicht kontrollieren können – damit werden wir zu zugleich auch zu Agenten unseres eigenen Vertrauens, das wir schenken müssen, wollen wir Subjekt bleiben. Ist das Vertrauen aber instabil, dann können wir auch nicht aushalten zu Objekten zu werden. Wir müssen nicht lange vertrauen, wenn wir uns nur kurz treffen. Wir können als Objekte gefickt werden oder ficken, aber wir sind auch immer Subjekt, weil wir andere objektifizieren. Es gibt einen Deal: ich zeig dir meinen Bildschirm nicht, du mir deinen nicht. Sieht man den Bildschirm, den untrüglichen Beweis des Objektwerdens aber in aller Öffentlichkeit, dann muss das bestürzen. Dann ist er da, der Beweis für unsere fragile Subjektposition. Dann bin ich nicht mehr nur Objekt, sondern Abjekt.
Das muss wehtun. Aber wenn es um Politik geht, um Öffentlichkeit und Diskussion, dann ist es die Verantwortung von uns allen einander zu vertrauen und für eine gemeinsame Zukunft zu arbeiten, anstatt die symbolische Lynchung zu fordern, nur weil jemand eine Frage stellt, die wir nicht bequem finden.
Aus dem Publikum kam die (unverschämte) Frage an Verhoeven: „Have you ever fallen in love?“ und diese Frage will man all den schreienden Menschen stellen. Auch dem Typen, der auf seinen Freund zeigte, den er durch Grindr getroffen hatte und dessen Liebe angeblich durch „Wanna Play?“ diskreditiert wurde („You took this away from me“), will man fragen: Liebst du einen Freund wirklich? Wie kann so eine kleine Scheiß-Performance das in Frage stellen?
Scheinbar tut sie das. Scheinbar geht es um mehr als nur Persönlichkeitsrechte.

Weil Liebe in Zeiten von Grindr prekär geworden ist. Sie ist in Gefahr, weil das Fick-Buffet einen Klick entfernt ist und wir uns bei Enttäuschungen nicht aneinander klammern müssen. Als Subjekte glauben wir zu agieren, aber interagieren nur mit Objekten, die wir durchdesignt vorfinden wollen, gestählt und gut angezogen, damit sie uns schmücken und wir sie lieben können wie ein neues iPhone.
Die Liebe war schon immer prekär, sie war schon immer eine Sache von Vertrauen und performativer Aktualisierung. Aber das ist das schöne an der Liebe – dass sie immer wieder aktiviert werden kann, immer wieder aufgeführt, immer wieder aktualisiert. Grindr widerspricht der Liebe nicht, aber Grindr lässt die Frage, wie wir lieben wollen und können, in einem neuen Licht erscheinen.
Wenn wir die Sehnsucht nach Intimität in ein kurzlebiges Medium legen, wenn wir aktiv nach etwas suchen, dass so nicht dort vorgesehen ist, können wir nur enttäuscht werden. Wenn wir den anderen als Objekt begehren, ihn aber auch als Subjekt lieben wollen, beides aber auf einer Plattform suchen, die das Begehren fördert, aber nicht das lieben (und wenn nur als Ausnahme der Regel), dann nutzen wir die Plattform falsch und das kann auch mal eine Installation lahm legen.
Grindr ist nur ein Werkzeug. Es kommt darauf wie wir es nutzen.

 

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Bild: Paz Errazuriz.

Comments (24)

  1. Dctr Lao Lao

    Richtig traurig ist, dass du hier vehement Diskussionskultur und komplexes und progressives Denken forderst, aber vor allem die Argumente und Gefühlslagen der Kritiker nicht nur übergehst, sondern sie ins lächerliche ziehst, diffamierst, auf Facebook Kommentare abstellst und bei großem Widerstand sogar Diskutanten blockst.

    Ich habe dich dabei nie persönlich angegriffen, sondern nur deine Meinungsbildung in Frage gestellt.

    Du führst Arendt und die ganzen großen Worte ins Feld, ohne deren Bedeutung und Ursprung richtig zu kennen. Aber vielleicht hilft dir ja Martin Heidegger: “Der Mensch ist Sorge.”

    • wolfauftausendplateaus

      Mein persönlicher Facbeook-Account ist kein Ort der endlosen Debatte, das Blog dagegen sehr wohl. Es gibt auch im virtuellen Raum Grenzen, die man ziehen können muss. Mir fehlendes Verständnis vorzuwerfen ist schade, wenn es nicht begründet wird.

      • Dctr Lao Lao

        Ist ansatzweise nachvollziehbar, auch wenn du die Debatte auf deinem Privataccount angefangen hast. Aber wieso blockst du mich dann auf Fb?

        • Richtig richtig traurig ist deine Einsicht, dass es, ich zitiere: auch im virtuellen Raum Grenzen gibt, die man ziehen können muss – welche du einem Parker T. nicht eingestehst und ein Konzept verteidigst, welches verletzte Grenzen als Kern hatte.

  2. robertniedermeier

    Darauf können die schwulen Spießer und Subfaschisten* jetzt voll Pride sein. Gays against Art. Meine Fresse, was für eine miese Kampagne. Nazis, Islamisten und andere reaktionäre Fundis, auch diese Gruppen argumentieren, das gewisse Kunst “entwürdigte”, entweder ihre Religion, ihre Kultur, ihr Land oder sonst was.
    Wenn reaktionäre Kleingeister das Wording der Progressiven absorbieren, kommt im Prinzip stets Opfer-Mimikry und Hetze bei herum. NPD-Mitglieder fordern Meinungsfreiheit, homophobische Reli-Fundis fühlen sich diskriminiert, Rassisten wähnen sich ausgegrenzt im eigenen Land und ein Parker T., der sonst sehr vieles äußerst gerne tut, um sich öffentlich zu produzieren, der wurde eben “digital vergewaltigt” und öffentlich “bloßgestellt”. Alle haben eins gemeinsam, sie gerieren sich als Opfer, um Hetze, Hass und Gewalt zu legitimieren. Gays against queer art. Es ist traurig.
    Niemand wurde von Fremden oder könnte von Fremden durch die verfremdeten Fotos tatsächlich identifiziert werden. Ein Einzelner (Parker T.) hat sich daran gestört, sich selbst erkannt zu haben, nach dem er dem “Date zum Rasieren” mit dem Künstler Dries zusagte, erst danach brach durch auf Facebook verbreitete Hetze die totale Hysterie los, andere sprangen auf und erzählten “Entblößungs-Märchen”. Peinlich.
    Bei Grindr sind alle Fotos tatsächlich öffentlich zu sehen, niemand muss selbst schwul sein, um sich dort herumzutreiben. Das und anderes hat der Künstler thematisiert und in der Tat einen relevanten Beitrag damit geleistet.
    Ich selbst nutze gerne, und stehe auch dazu, GrindR als Fick, na ja, mehr als Oral-Dating-Portal. Trotzdem ist es legitim, daraus Kunst zu machen. Kunst muss nicht gefallen, sie muss aber auch missfalllen dürfen. Zensur ist Mist.
    Im Kern geht es doch darum, dass es vom homosexuellen Spießer nicht gewünscht ist, dass öffentlich, GrindR und andere virtuelle Portale, mit Schwulsein in Verbindung gebracht werden. da er sich fürchtet, Homosexualität könnte vom Mehrheits-Spießer erneut in die reine Schmuddelecke gesteckt werden. Act up, but don’t blame Art.

  3. IIIOOOIII

    Lieber Wolf, es beruhigt mich sehr, dass es noch ein paar denkende Schwule in dieser Stadt gibt. Man darf vor den Leuten, die ganz besonders laut und histrionisch schreien, nicht kapitulieren.

  4. martinframee

    Sehr bedauerlich, dass Sie ihre hochinteressanten Gedanken zu Subjekt, Objekt und Abjekt, zur Frage der Selbst-und Fremdbestimmung (um die es bei diesem Konflikt aus meiner Sicht geht) und -ja- zur Liebe in Zeiten der virtuellen Realität(en) in einer mich ermüdenden Einleitung begraben, der antiamerikanische Ressentiments und diffamierende Faschismusvorwürfe nicht gerade zur Zierde gereichen.

  5. Marcella

    The speed with which an artwork is judged in the public square by a mob, without judges, without contradiction, is also beyond comprehension. This is a post-democratic nightmare!

  6. marcuskleinfeld

    kevin

    touché. ein riesiges dankeschön für diese mühe, und deine klare, engagierte, intelligente und über allem humane analyse dieses wochenendes. verhoeven und so manchem von uns ist vielleicht jetzt noch klarer, wie es in der tat um unsere community und die darin gelebte menschlichkeit in zeiten sozialer netzwerke und der ständigen selbst-promotion zum zwecke von facebook-likes eigentlich bestellt ist. in der tat ist der deckmantel des identitätsschutzes und der privatsphäre, der hier aufgefahren wurde, nichts anderes als die pervertierteste form der rechtfertigungs-travestie eines wochenendvergnügens und selbstbeweises gewesen. alles für die ego-show, den kurzen eigenen hype und die fans. boah is mir schlecht.

    (korrekt) zu identifizieren und bloßzustellen, worum es diesem fashionable lynch-mob eigentlich ging, ist verdammt wichtig: nämlich um rudelverhalten, um gegenseitige affirmierung einer entrüstung, um erhaltung eines status quo, um ein lautes, aufgeladenes affektiertes niederschreien vor dem nächsten südblock-besäufnis, wo man sich dann in seiner selbstgerechtigkeit und gruppenmacht nochmal so richtig geil fühlen kann. wo die netzwerke glühen mit indignation und vorschneller zustimmung. wo eingebildete männer mit bärten und bomberjacken und basecaps bornierter und ungnädiger und betroffener und hassvoller agieren als verbitterte alte jungfern sonntags in der kirche. ein moralsturm, weil er das einzige anrührt, was so viele von uns überhaupt noch haben: diese thumbnail-app auf unseren iphones, morgens, während der arbeit, nachts. ach klar, und uns dann noch besaufen gemeinschaftlich und die birne wegzuknallen am wochenende, und zu versuchen zu vergessen, wie alt wir schon sind, und was wir überhaupt mit unseren leben machen, und dass wir irgendwie echt von keinem so richtig geliebt werden, den wir da so mechanisch nach haus bestellen oder mit dem wir auf der toilette noch ne line ziehen. noch ne sucht. und dann noch eine. und noch eine. bääh.

    wo die show, das statement, das aufrühren, das aufplustern, das geifern, das niedermachen des mob jetzt plötzlich und wahnsinnigerweise die moralisch anständige reaktion sein soll. statt der offenen fragestellung eines glaskastens am heinrichplatz. die was bedeutete und beinhaltete? ein versuch über miteinander statt einander-benutzen, ein angebot von innerlich intimem, nicht von nackter haut, von miteinander reden statt gegenseitig masturbieren. verhoeven und sein kasten mitten im epizentrum unseres international fagdom kreuzberger kiezes und die frage, was noch ohne sex sein könnte zwischen uns allen. was das mit uns macht, und wer wir sind.

    und dann diese eklige, dem reality-TV entlehnte, exhibitionistische emotionalisierung der eigenen laut und überdramatisiert dargebotenen position, die quasi als totschlagargument immer von den lautesten und hysterischsten tätern geschwungen wird. kotz. die ja hierbei nichts als die häßlich gespiegelte fratze ihrer narzisstischen motivation ist. natürlich wollen leute wie parker t. eben das nicht: ein hinterfragen ihrer selbst, auch nicht ihres buchstäblichen ‘negativ’-bildes wie in verhoevens installation. ein öffentlich-machen dessen, wie sie sich anderen gegenüber verhalten (auf grindr oder überhaupt). ich brauche verhoeven und parker t. nur in die augen zu gucken oder reden zu hören, und weiß, was für zwei unterschiedliche menschen ich da vor mir habe.

    faschismus war ja reichlich da, der ist ja im prinzip übergekocht, und das HAU hat den schwanz eingezogen. der organisierte mob einer ignoranten ideologie ist eben nicht das gleiche wie die stimme ‘der strasse’. es war nicht die strasse, die die absetzung von verhoevens kunst gefordert hat, es war ein mob, der interessen und eitelkeiten hatte. und das ist verdammt schade und echt zum kotzen für uns alle.

    einer saß im glashaus, und eine gruppe stand davor und schrie und krakeelte. der faschismus ist nicht der desjenigen, der unsere menschlichkeit und unser miteinander in frage stellt. der faschismus sind diejenigen, die ihn mit allen mitteln zum schweigen bringen wollen: durch dramatisierte emotionalisierung, durch verleumdung, durch lüge, durch hysterie, durch falsches reden, durch mitläufertum, durch dummheit, durch ignoranz, durch vorschnelles urteil, durch weigerung, sich selbst im spiegel zu sehen. und nicht verstehen zu wollen, was für ein mensch da eigentlich in diesem verdammten glaskasten saß, und was er versucht hat, da über sich selbst und unser miteinander herauszufinden und vielleicht zu verändern.

    schade, und ein trauriges bild der berliner szene.

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    • samesamebutdifferent

      wow, so viel hass! erst von besagtem mob, und nun von solchen antworten auf ihr (bedauerliches) geschrei. scheinbar hat der künstler einen spiegel nicht nur vor den “betroffenen” gehalten aber auch vor denen, die dem parker jetzt so vehement einen denkzettel verpassen wollen. die erste gruppe (a) hat die aktion ausgenutzt, auf ihre etwas unausgegorene art, um sich selbst zu promoten, und die zweite, (tendenziell ältere?) gruppe, um ihr frust und hass auf gruppe “a” abzulassen… oder vielleicht mit dem schwulsein überhaupt. so hört es sich jedenfalls hier an. naja, was mir als irgendwodazwischenstehender vor allem peinlich ist, ist dass es letzten endes ein künstler weit ausserhalb der so “bunten” berliner kunst szene benötigt hat, um beiden seiten der kleinbürgerlichen kunstszene berlins zu zeigen, dass der kaiser tatsächlich nackt dasteht. prost, herr verhoeven! und berlin? steck den schwanz zwischen den beinen, verkrieche am liebsten zurück ins berghain, wo die größste kunst der stadt jeden sonntag stattfindet… und schäm dich.

      • Dctr Lao Lao

        Danke! So siehts wohl aus.

      • marcuskleinfeld

        Hey samesamebutdifferent

        Nicht sicher, was Du hast dechiffrieren können von der bäuerlich-lustspieligen Tragikomödie, die hier über die provinziellen Hauptstadtbretter gegangen ist. Dein Kommentar (bzw Deine Vermutungen) deuten jedoch auf n Verständnisproblem innerhalb des Komplexes. Try again?

        Ich denke, n guter Anfang wäre, Parker T’s ‘speech’ mal als Ausgangspunkt zu nehmen – Danny Kwee hat daraus ja am Anfang seines Posts zitiert, hier unter meinem.
        und da steht eigentlich alles drin was man lesen muss – Parker T on Parker T, quasi. Destillat; reinster Wortlaut einer Seele, einer Mission. Just – wow.

        Hmm, tja und dann kann man ja mal anfangen nachzuforschen, was im Gegenzug Dries Verhoeven sonst so macht. Was sein anliegen ist generell, seine Arbeit – wo er sich moralisch und ethisch positioniert. An was ihm liegt. Was für eine Art Verständnis er zu erreichen versucht. Man könnte ja mal sein Statement lesen…

        Und dann haben wir eine Situation hier. Zwei Menschen und Männer mit zwei Anliegen. Beide unterschiedlich, Anliegen und Männer. Ton und Habitus: auch sehr unterschiedlich. Lautstärke, optisch wie akustisch: verschieden.

        Einer von ihnen hat ein paar ernsthafte und aufrichtige Fragen gestellt und im Zuge eines Festivals eine Arbeit über sich selbst, und über uns alle vorgeschlagen. Setzt sich also buchstäblich ins Glashaus, mitten zwischen uns hin, ins schwule Epizentrum quasi; es kommt der Prophet zu den schwulen Kotti-Bergen.
        Weil wir ja eh kaum noch aufschauen von den Scheiß Smartphones, und weil wir das ja eh kaum noch lassen können oder wollen und hinterfragen schon gar nicht. und aus unserm Kiez und den ewig gleichen Strassen und Kneipen und Clubs eh nicht mehr rauskommen. So isses zumindest um die Ecke, und so sind wir ja dann auch alle mal vorbeigetingelt und haben uns entrüstet, amüsiert, nachgedacht oder n Selfie geschossen für FB.

        Tja. Und dann gehts los.

        – – –

        Jetzt, nach der Hysterie, nach der Kapitulation: Rekapitulation. Wie sah es denn aus, ‘Wanna play?’. Du sprichst von Hass – den ich und andere angeblich gegenüber Parker hätten, und Frust. “samesamebutdifferent”, ich hatte bis Sonntag nicht mal ne Ahnung wer Parker T überhaupt ist. Vielleicht findst Du’s schwer vorstellbar, aber manche von uns denken und handeln noch nach Prinzipien und Überzeugungen – nicht nur nach Motiven und Strategien.

        Aber mal abgesehen von mir: Sah es so aus, als ob Verhoeven uns Schwule “hasste” und uns verletzen wollte in unserer Intims-oder was weiß ich für ner-Sphäre (und mal ehrlich, die ist doch bei vielen von uns eh ziemlich öffentlich, ha). Oder war das, was ich – und ein paar andere auch – dann im Anschluss gesehen haben auf dem Heinrichplatz und im HAU, doch eher umgekehrt, ein Hass auf Verhoeven? Wo lag der Hass genau, hier oder da. So mit fliegender Spucke und so?

        Und Wahnsinn: erwachsene Männer haben da so Zeter und Mordio geschrien, keine bitchigen Schulmädchen. Und du redest deren Verhalten klein und nennst es eine “… etwas unausgegorene Art”. Und du bist – wie viele andere auch – dann bereit, diejenigen moralisch zu kritisieren, die diese aggressive ‘Art’ benannt und zur Diskussion gestellt haben. Du deckst quasi die Täter, derweil Künstler und HAU entsetzt und sprachlos waren ob der Aggression, die Ihnen da entgegenschlug. Na egal. Samesame, Kalzium soll gut fürn Knochenaufbau sein, hört man, zwecks Rückgrat-Wachsens. Empfehlung hier.

        Und nun mal Vorhang auf für: Parker T als Opfer von Dries Verhoeven. Als schauspielerische Darbietung ungefähr so passend wie Kim Kardashian als Jeanne d’Arc. Den Parker T, den das HAU nicht für sein biblisches Martyrium bezahlt hat:
        “We are not getting paid. Our unwilling participation in the project is not being reimbursed. No reparations will be made.” Money, baby! Und das Drama, das menschliche:
        “…violently shoved in a situation… forced to endure… tolerating injustice…”

        Baby Jesus cry me a River. Danny, Du hast so Recht.

        – – –

        Es geht oft ja gar nicht um dich oder mich oder Parker oder Dries. Manchmal gehts sogar um größere moralische Fragen. Wie verhält man sich nach Möglichkeit richtig, und was ist wahr. Und wo wird Tatbestand zu verfälschen versucht.
        Und dann muss man auch mal solche Reden als das aufdecken, was sie sind: Selbst-Betroffenheits-Porno (wieder nur gespielt). Dramatisierungen, Verzerrungen. Die ganze Narzissmus-Maschine.
        In der Tat geschehen damit sogar Banalisierungen – wie Danny unten ebenfalls schreibt – von echten Opfern, zu denen sich Parker stilisiert hat. Und das ist Mist. Es gibt Opfer, aber sorry: dieses Tattoo will einfach nicht aufs Parkerfleisch. Das hat er nicht verdient in dieser Geschichte, und das entwertet echte Verletzungen, von denen es genug gibt im Leben. Er kann sich ärgern und aufregen. Er kann das scheisse finden. Er kann protestieren. Sein gutes Recht, und kann auch sein, dass es ihn vielleicht geärgert haben mag (aber das war nix gegen die Chance auf nen echten selbstgemachten Skandal).

        Aber es gibt nen Punkt, und da reicht es dem guten (oder auch nur mittelmäßigem) Geschmack dann. Es gibt Grenzen, wo die eigene Theaterrolle nicht nur geschmacklos, sondern sogar gefährlich wird. Wo sie nicht nur lügt, sondern das Echte bagatellisiert. Uns werden irgendwann die Maßstäbe fehlen, wenn Leute wie Parker schon durch Teilnahme in einem (wohlgemeinten!!, dammit!) Kunstprojekt über Missbrauch, Verletzung, Schmerz und emotionale wreckage jaulen. Wir sind hier nicht im Big Brother Haus, wo der, der am effektivsten und lautesten ICH! ICH! ICH! MEINE GEFÜHLE!! schreit, gewinnt. Oder vielleicht sind wir das. Aber zum Zusammenleben muss man miteinander umgehen, nicht dem glauben, der am lautesten zetert, und der andere untergräbt.
        Die schwierigen, die wichtigen Probleme sind die systemischen. Lass das institutionalisiertes Bullying sein, Gruppendynamiken, oder eben diese Scheiss menschliche Entfremdung, die mit uns durch grindr & co. passiert, und all diesen social media Anpassungsdruck.

        Ich finde es wichtig, dass das diskutiert wird. Ich fand Verhoevens “Wanna Play” wichtig deshalb. ich finde es auch wichtig, dass wir hier jetzt diskutieren, und meinetwegen auch, dass du mir Hass vorwirfst. Mach ruhig. Ist ja genug Hass unterwegs da draußen, kann ich dir nicht verdenken.
        Ich finds aber vor allem wichtig, DASS wir diskutieren. DASS wir endlich mal über was anderes miteinander reden als irgendn scheiss klatsch und tratsch, oder irgendn fussballspiel oder scheiss campe TV show, oder wieder nur über drogen, immer wieder, oder typen und sex, oder die letzte party, und dann die nächste, und dann wieder über drogen. oder was auch immer.

        Verhoevens Projekt war ein Versuch. Hoffentlich packen wir’s irgendwie anders, gemeinsam, mit ähnlichen Fragen, und meinetwegen ähnlicher Kontroverse. Hauptsache, wir gucken uns überhaupt mal an, wie und mit wem wir miteinander leben und kommunizieren wollen. Und reden mal wieder über was geht und was nicht, und Ehrlichkeit, und was wir brauchen an Intimität und Sicherheit und Respekt und Verständnis.

        Uff.

        • samesamebutdifferent

          herr kleinfeld,

          ich bin mir wirklich nicht sicher, auf wessen beitrag du antwortest. deine eifrige verteidigung des künstlers ist jedenfalls süß. ich würde dir empfehlen, ein paar mal tief einzuatmen, den stau im gedanken loszuwerden, und meinen kommentar nochmal zu lesen.

          du rennst bei mir offene türen ein, in deiner verteidigung des künstlers, obwohl ich glaube eher aus anderen gründen. “prost, herr verhoeven!” war gar nicht ironisch gemeint. ich persönlich finde die idee von der arbeit an sich etwas kahl und irgendwie auch plump, aber abgesehen davon, was aus der performance wurde, ist eine art “happening”, das die idee von berlin als bunte, avant-garde, queer geeinigte, kulturele epizentrum usw ad nauseam… komplett auf den kopf gestellt hat. es gibt immer ein aspekt von performance art was ausser der kontrolle des künstlers bleibt, nämlich: die reaktion des publikums (denk an abromovic). ob verhoeven das genau so wollte oder nicht, die geschehnisse und auswirkungen der aktion, von parkers gewalt bis auf deinen verbitterten kommentar auf diesem blog, sind jetzt alle teil eines happenings, und damit wurde die arbeit vervollständigt.

          das ist nichts neues. in der kunstgeschichte kommt es immer wieder dazu, wenn große kunst einen nerv in der gesellschaft trifft, dass kläffende hunde der bourgeoisie sich gegenseitig anbellen. egal was man von parker oder dich (so, als beispiel des gegenteils von parker) hält, fakt ist: der künstler hat uns gefragt ob wir spielen wollen, und berlin “got played”: das große epizentrum der kunst und homo haven, wo sich seit jahren nichts bewegt (ausser wichtig tuende künstler zweiter, dritter klasse und deren anhänger, die sich vom olfe tresen zum koksklo bewegen) wurde entpuppt als spießig, kleinbürgerlich, zickig und vor allem gar nicht in der lage, ein sinnvolles gespräch einzugehen.

          ich hab mit der arbeit an sich nichts zu meckern, ausser dass sie vielleicht etwas undurchdacht ist. was die shitstorm reaktion angeht, stehe ich ziemlich genau zwischen zwei gruppen kläffenden hunden. beide schreien über moral, aber beide gruppen sind naiv: der erste fehlt intelligenz, und der zweite fehlt das herz. ich finde die tätowierung “RAPIST” auf verhoevens glas haus genauso peinlich und lächerlich wie die vorstellung, dass du (oder einer wie du), in der selben situation wie parker, also wenn du plötzlich rausfindest dass deine verabredung zum rasieren für eine menge (auch hetero) leute draußen auf heinrichplatz zu lesen war… genauso peinlich und naiv wie die vorstellung dass du dann kühl, intellekuell und verständlich reagieren würdest. ha! wie arrogant (und naiv) kann man sein…

          diese gespaltete queere community ist echt sehr schade, denn es gibt viel größere bedrohungen da draußen. während queere leute in anderen orten auf der welt ums leben kämpfen, erhängt werden, ins gefängnis landen und gefoltert werden, “politisch engagierte” berlin streitet über die feinheiten der moral von iphone apps (hashtag first world problems). man sollte auch bedenken, dass solche apps auch existieren weil es für manche immer noch krass gefählich ist, ihre sexualität in der öffentlichkeit zu stellen. in dem sinne, gott sei dank war es ein drag queen, die betroffen wurde, und nicht einer, der hätte deshalb verprügelt (oder sogar umgebracht) werden können.

          ich stimme dir in vieler hinsicht zu, was grindr kultur, den künstler, und die mob mentalität angeht, u.a. aber leider lässt du dich auf das niveau des angry mobs herab, in dem du deine hass und frust blind auf parker / oder eine unspezifische gruppe projizierst, du hängst dem mob sachen an wie “südblock besäufnisse”, “lines auf der toilette” usw, die leider gar nichts mit den themen grindr kultur, inimität, liebe, privatsphäre, kunst, bloßstellung, usw zu tun haben. daher denke ich eher dass du deinen eignen kram zum tisch bringst: auch kein konstruktiver weg, ein sinnvolles gespräch zu öffnen, und genauso bedauerlich wie parkers nutzung des wortes “rape”.

          ich hab nicht nur verhovens artist statment gelesen, sondern auch mehrere statements von ihm und seine reaktion auf den mob. jetzt frag ich dich: hast du parkers artist statement gelesen? nein, nicht die über sein drag shows, sondern als fotograf? er hat nämlich kunst studiert. und seine fotos werden international ausgestellt. drag ist sein geschäft, und er ist ein hartnäckiger geschäftsmann. aber abgesehen von seiner arbeit als drag queen und party promoter, geht er so gut wie nie aus. er ist am liebsten zu hause mit seinem hund. deine erwähnung von drogen kultur hat auch nichts mit ihm zu tun: weder trinkt er alkohol noch nimmt er drogen. aber ich weiss das alles nur wegen realer begegnungen mit ihm, ausserhalb der digtalen welt, wo blinde vermutungen so einfach zu kreieren sind. wanna play? 😉

          das ironische dabei ist: über dich weiss ich auch ein paar sachen. und egal wie du dich hier in der pseudo-anonymen digitalen welt präsentieren möchtest, weiss ich dass du bei gay romeo aktiv bist, dass du auf das eine oder das andere südblock besäufnis auch gerne teilnimmst, dass du auch gerne mal bei der einen oder der anderen homo party lines auf dem klo ziehst.

          ups! hab ich dich gerade entpuppt? hab ich dich bloßgestellt für alle zu sehen, ohne deine zustimmung?

          es ist ok. ich darf das. ich bin nämlich auch künstler.

          keep tryin 😉

          so nun zum schluss und dann bin ich raus aus der diskussion:

          Hoffentlich packen wir’s irgendwie anders, gemeinsam, mit ähnlichen Fragen, und meinetwegen ähnlicher Kontroverse. Hauptsache, wir gucken uns überhaupt mal an, wie und mit wem wir miteinander leben und kommunizieren wollen. Und reden mal wieder über was geht und was nicht, und Ehrlichkeit, und was wir brauchen an Intimität und Sicherheit und Respekt und Verständnis.

          alles liebe!

  7. I think it’s important to keep the momentum going… That’s why I also want to contribute some, here and there confused thought I had the past days…
    The mass of people in blind support of P.T. is shocking to me.
    United in defense of privacy rights?… Is that the new cause to rally behind?
    Privacy Rights and setting new old limitations on art?
    Upon reading P.T.’s speech, i couldn’t bear it anymore.

    In one of the pargraphs he says:
    “His name (dries verhoeven) and project “(wanna play) have been published countless times in recent days because of my decision to go public with this encounter. He will leave Berlin when the project is over and move on to the next. The community and myself are now left to deal with the emotional wreckage of this event. We are not getting paid. Our unwilling participation in the project is not being reimbursed. No reparations will be made. We have been violently shoved into a situation that we did not ask for and are now forced to endure because we will not tolerate injustice.”

    Is it adequate that P.T. says in his speech:
    “We have been violently shoved into a situation that we did not ask for and are now forced to endure because we will not tolerate injustice.” INJUSTICE?
    Is it right of him speak of injustice, to claim to be a „We“ that is fighting injustice when his issue is privacy? Is the word justice not unproportional considering the other side of the project „wanna play“, the gay struggle for self-determination, and who are we then, what have we become to impose limits on art or philosophy,
    who are we to say what art is allowed to do and what art is not allowed to do…
    We have human rights, basic rights that art must respect, but that art must test where ever it can. Art, even in it’s simplest form must test our conventions.

    He describes how he is left with the wreckage of an Event, and is not getting paid for it, he was forced to participate, violently shoved into a situation he did not ask for and he is now being forced to endure it s aftermath…. What event is he talking about? Did he just describe slavery? Colonialization? The mass murder of the Indians in North and South America? The concentration camps during the Holocaust? Is he really going there??? Really???Is he really equating his privacy rights and his rights to his image to the struggle of the suppressed and exploited?What event is he talking about, that has left an emotional wreckage the community is forced to deal with… is he talking about an event like 9/11?
    Oh wait, no, it s just his distorted image being used in an art project.In his speech P.T. drags the real struggle against injustice, in the mud…
    It is a parody of gay rights activism, feminism and the struggle against colonialism and racism and to censor art the way he does is a farce.
    I believe that it is the task of art to allow humanity to think beyond its own limitations, beyond the current state of things.
    To do that, it must provoke, it must test the limits of what it means to be a person, an individual, a being in the world, and in a world where virtual networks replace the public space, where categorization of people, and the filtering and exclusion of them is handled automatically by creating a kind of avatar/profile that transmits certain codes that keep people out of your way, it is of urgent importance that these virtual spaces of publicity are questioned in the form of art.
    I believe that this is one of the limits that art can and has to overstep to help us realize more about ourselves, to help us become a better people.
    Are we really so self-deluded to believe that our current state of humanity is so perfect that the privacy of the individual self must be respected at any cost?
    It seems to me that the privacy of the individual has replaced the holy unity of the family. Do individual concepts of life, things, other people, nature, the world need to be protected by the gaze of others??? This is were we wanna go?
    Don t we see that the society and the individuals we create, with the language that we use is in itself disrespectful to humanity itself? What is private and public?
    Challenging privately held belief systems and exposing them for what they really are is part of the struggle for self-determination. In order to change the hegemonic discourse we must intrude on the hegemonic subject.
    We cannot become a better people, without intruding on those, that are the subjects of the system they created. If a system is structured in a way that some disproportionately benefit from it, while others are systematically ostracized and in the language of the program itself devalued or even dehumanized, that system must be exposed, as well as the hegemonic subject that tries to sustain such a system.
    how is art, a medium-based endeavour of the mind supposed to deal with the existence and reality of social/sex-networks without at the same time visually exposing those seemingly innocent bystanders that I call the hegemonic subject.
    And we re talking about profile pics and dialogue here. It is an open platform, the kinky stuff is happening at home, there are no nude pictures, not even much personal information. On top of that the artist Dries Verhoeven tried to anonymize the profile pictures, while still allowing a visual presence of the person via the avatar.
    A far cry from exposing individuals and revealing personal information, which I go so far to break the ice for when it comes to questioning the status quo. and yet, this rather meek art project touched upon taboos and was cause for tremendous outrage…. Why is that?

    Many comments and open letters i’ve read so far, seem very confused to me and are driven by a form of outrage that in my opinion doesn’t truly relate to the open wound the artist purposefully or accidentally put his finger on, which may be the reason of the violent responses. And i truly believe that we should try to salvage that which is good about an important project which may not have come to terms with itself…
    I will even say that in my opinion may be he didn’t even go far enough, may be he was to meek, or may be, and I believe this is the case, his work is not finished yet, it s just a fragment, part of a bigger picture, it is material realizing itself in an open discourse between idea and form as he is dealing with sexualized social network, we are contributing to his exploration of the hegemonic subject of systems like grindr and its relation to the world and its issues outside.
    And boy, we re contributing to this process, the outrage and the open letters don’t enlighten, don’t ask questions, don’t supply tools to help us arrive at answers, they’re mainly loud, impotently aggressive and mind-numbingly judgmental.
    There is something intriguing when faced with impotence in discourse.
    As at its core there always seems to be some form of crises of conscience.
    So where is this aggravation coming from? This sudden rejection of the freedom of art. Have we lost faith in art? or is it simply uncomfortable when the tables are turned and our own concepts of being are questioned and our own self dragged on stage.
    but are we right to be outraged about that, when many times we have no problem with people being dragged on stage who stand for something that we naturally oppose…
    in a social network society, especially social networks like grinder, tinder, romeo, where people are treated as commodified versions of themselves, and then categorized almost automatically while yet, we, our individual selfs remain with the finger on the trigger, we need to ask ourselves who is the subject, the one responsible…
    in a similar way this phenomenon reappears in a deadlier and less subtle form in Drones. The smooth surfaces and slick interfaces hide mechanisms and algorithms that make decisions for us, based on the interests that are we are kind of forced to state when realizing our avatars. We are complicit to the decisions and processes that appear to happen outside our own bodies and horizon of responsibility.
    In a similar fashion of distancing ourselves or fragmenting our selfs in a way that allows us to delegate responsibility or guilt somewhere else, we claim not to be romantically interested in Blacks or Asians, because of our way of seeing Blacks or Asians, but because it is our body that just behaves that way… It s just the way it is…
    Got nothing to do with me, can’t do anything about it.
    Regarding the questions I have posed, I wonder, is it really just about privacy?
    Or do we feel that gays are displayed as sex crazed nymphomaniacs that use apps to meet random guys to fuck, which may lead to heterosexuals thinking low of gays?
    In both cases we are trying to protect something, a sense of self that is complicit to the hegemonic discourse. There is a sense of insecurity in the outrage, a defense of some sorts.
    being a colored homo, i think it would be productive to homosexuality itself if gays were *a little bit more critical of themselves and their ‚universe‘.
    There is a discourse to be had about sex, about the way we approach it,
    how it defines our culture and our concepts of the self, the subject, its object and otherness.
    *(why do i even say “a little bit” i catch myself saying, “a little bit more critical of themselves“, because i feel myself being in a weak position, like i got to beg the white hegemonic subject to take into consideration that there might be something wrong with the way things are going, that there is an other side to what the gay hegemonic subject perceives as normality, the status quo…)
    Many times gays gets pompous and defensive, not because of a sense of injustice, but because he/she feels threatened in their carefully accumulated construction of personhood, as if a critic of their behaviour as gays is a critic of homosexuality itself.
    homosexuality sometimes can be a protective shield against critic or a to rally behind.
    But ultimately it still is insecurity and false notions of pride.
    Impotence in its purest form.
    We need to talk about ‚being gay’ What is being gay about? We need to talk about Sex! Is the SEX in homoSEXuality the integral core of what it means to be gay?
    And what is the meaning of Sex, how does sexual intercourse relate to the community of people. Especially when Sex is not something between two intimate lovers, but intimacy between two lovers, and when interfaces (grindr,romeo,tinder, scruff…) become tools by which you perceive and classify other people/gays/humans…
    To quote Joel Simkhai, CEO of Grindr:
    “We rewrote the software for the new Grindr with a focus on speed – giving our users the ability to meet other guys in mere minutes. We did that by strengthening the app’s reliability and performance, and by introducing ‘Tribes‘ and other FILTERS to make it even SIMPLER for men to IDENTIFY THEMSELVES and FIND EXACTLY WHAT THEY ARE LOOKING FOR,”
    Identifying oneself ‚easily’ by classifying oneself in some kind of tribe/body type, using codewords… like otter, bear, twink, hunk…
    What is the structure, the language systems in which identification is simple. For which type, which culture is it made simpler and who is being simplified or simply resides in the position of a cliché in order to keep things simple for the hegemonic subject, and what does it mean to find exactly what one is looking for? When and where do we realize what we are looking for? I for one, don t know what I am looking for. To me it seems to be a core quest of my being to explore who I am and what I am looking for… Things that don’t matter when interfaces guide us through our lives, algorithms that tell us what we might be interested in consuming next time… keeping the trash away from you, so you won t be disturbed… brave new world…
    I remember when for a couple of days gayromeo changed the models on their website to reflect the international use of it, blacks, white, asians, arabs „so happy together“, but apparently ain’t cool for school. Too many people must have have felt turned off by opening romeo and not seeing a white ‚normal‘ dude… and complained, because they got rid of the colored people, except for token black guy….
    we all know what black guy stands for….
    Who is the hegemonic subject that differentiates between many ethnicities when it comes to shades of white, but only has „Black“ and „Asian“ for more than 70% of the world population.
    Just ask yourself: What is manliness, how does our concept of manliness position those that are deemed not manly, be it women or unmanly men(?) and how does the answer to this question relate to the overarching power structures and discourse.
    Is SEX, as in homoSEXuality a force of inclusion or exclusion?
    Can we ever arrive at an inclusive togetherness and if not, what does it mean that we can’t?
    How does this relate to the commodification humanity and human subjects in sexual intercourse and its exclusion of others.
    In a way, a problematic way, but still a way, you could argue that the difference between homosexuality and heterosexuality is that in homosexuality two equal partners meet each other and have sex with each other, two subjects so to speak, where types matter. and as grindr scandalously coins it TRIBES…
    Being with your own tribe, makes it easier, doesn’t it? But other tribes, alien, weird, not normal, they are others, foreign to us.
    where in heterosexual sex a man and a woman are immanently different, opposed to each other… , a perversion in its own right, the man feels superior to the woman, the man as subject to the female object of desire….
    excluding tribes of people from sexual intercourse puts the other in a position that also excludes them from intersubjective discourse,
    the way we have sex, how we communicate through our approach and practice of sex, is not without ideological implications. Not only does it say something about our discourse, it also actualizes it, thereby becoming a tool of discrimination and domination. sex, unlike love is not of transcendend value. it is not beyond understanding and as we obviously know, is not even dependend on love.
    It s something that we do to enjoy ourselves, and who we feel attracted to is dependend on our upbringing, experiences we have made and our understanding of our each individual selves.
    Talking about sexualized racism is a taboo. It brings to the surface an ugly side of Homosexuality that many of us center our whole identities around, sex.
    Therefore, talking about sex itself is a taboo, as it leaves scratches on the innocent purity of it, like the interface of newly bought Iphone. We sure like them slick and simple interfaces…
    Instead gays use the innocent and playful children’s version of sex language: What is pipi, kaka, willy to them is simply cock, cum, anal, oral, to us… we use it funny phrases like „let’s ‘cum’ together and have a party” We can talk about these things easily while having dinner with friends, and also all the pictures of cocks, asses, sperm, fisting, anal penetration… nothing too shocking…
    We have no problem just blabbering sexual references, and indeed, there ain’t nothing wrong with doing so, but let’s face it, we can talk sex by making it seem innocent and childish, we talk sex(talk), but we don t talk about it.
    At the same time, sex being part of the discourse and positioning and filtering people, by sex we enforce certain power structures and cultural paradigms that exclude others from the discourse. In doing that, sex is a weapon….
    This doesn’t mean i am demonizing sex or the body, but it is important to understand that sex can be and today is being used used as a weapon, just like language, and just exploring the mechanisms of the use of language as a weapon doesn’t make one anti-language. Why is it then that any critic of our way of having sex, immediately is being
    reduced to being against sex, being prude? Like a short circuit the whole system is immediately shut down. Just to be safe,… safeguarding the construction of the gay identity, being founded on purely the Sex part of homoSEXual.
    The insecurity behind it… is marvellous.
    I am not anti-body nor anti-sex… but sex like language, like love is political.
    We talk sex, we blabber on and on about it, saying nothing, but a lot of it,
    to quote Zizek, he goes to psychiatrist and talks and talks and talks not to say something, but to reveal nothing…, but we can t really talk ABOUT sex… about the politics behind sex, the politics of sex.
    The tickle of the anus gives us delight, but the tickle of the brain makes us squeamish.

    Is being gay really about HOMOSEXuality? Is that what should define us, that thing that we call our selves? Is the difference between a homosexual man and a heterosexual man just the fact that heterosexual man are into women and homosexual men are into other men? Is the hegemonic status of a male subject reliant on him not being into having sex with other man? Is the difference really what we orgasm to?
    I don’t think so.

    Let me digress a bit….

    I often tell the story of my last name… centuries ago, we used to have a Chinese name, but it was changed during the colonialization by the Dutch… they deemed our last name too complicated for the European tongue and changed it to ‘Kwee’, in the 60s the USA financed and helped the Indonesian military under Suharto, who was the Asian counterpart to Mubarak, to instigate a coup to overthrow the socialist president Sukarno, who was the man who ended the colonialization by the Dutch and the first president of Indonesia.. in the process of the coup millions of Communists and Chinese were murdered by the Muslim majority in Indonesia, because they were scaremongered into believing that Chinese and communists wanted to kill prominent Muslim leaders and generals.
    (i am not saying this to blame Muslims, the opposite is the case… Muslims were indoctrinated into hating leftist movements, by the West, they merely served as an instrument)(watch the ‘act of killing’)
    The family of my father only survived, because the lynch mob skipped our house, since the executioner used to be in the same class as my father, and my family was known to be very charitable.
    My father and his brothers remember decapitated heads lining the streets and rivers of blood alongs the roads… after the genocide my father and his brothers emigrated to Europe, but the youngest brother was too young to go to university in Europe, so him and my grandparents stayed in Indonesia and remained under the Suharto dictatorship sponsored by the USA and Europe, which lasted more than 30 years.
    But because they stayed, they and many other survivors changed their last names in order not to be identified as Chinese anymore, which is why my relatives have different last names.My uncle and his children’s last name is Indrakusuma…
    Today, 40 years later, they are thinking about changing their last name, because they are Kwees like us. I told them not to do it. Their name is part of our history, part of our struggle and the struggle is the only authentic thing we have.
    The history of the suffering of our people.
    And are we truly Kwees? Isn’t Kwee, to quote Malcolm X our slave-name? given by the Dutch!
    The truth is, we don t even know what our true last name is. It’s long gone…
    long story short…:
    the violence perpetrated against a people is happening and has been happening. We are still being exploited, suppressed, our natural resources have been depleted and the remaining nature that we have left, is stuck in a global economic industrial cycle that will further ravish our land while Global Warming, mainly triggered by the Industrialization in Europe and the USA will leave Indonesia a land without land.
    And when I, a colored homosexual without a name, without a culture, without a home that I could ever go back to, without a language,
    go to Romeo or Grindr and read…: no Asians, or only hetero-likes,
    or to add insult to injury: NORMALGEBLIEBEN (translating into ‘people who have remained normal’, implying authentic and not fake, like fake colored people, and simply meaning white guy from next door)
    I feel the violence, like the tune of a bell that reverberates when being pulled… this world always pulls me back into it, because i cannot escape the tune that is inscribed in me.

    The history of violence is embedded in my existence…I see the world through the eyes of the suppressed.
    Surely, this is not something all colored people, not all women do and not all homosexuals do…
    But why do many gays believe that the role of the oppressed and victim is natural to their position in society.
    Not all oppressed have an awareness of the injustice, many prefer to become the hegemonic subject.
    “from rags to riches.” Isn’t that the American dream?
    You, as an individual may escape poverty, but you can t escape the injustice of it.
    Malcolm X differentiated between the field slave and the house slave. The house slave may have been better off, identified as extended family, and may have therefore defended the white master, but he was still a slave. and while the field slave felt all the injustice and cruelty of the system, neither the house slave nor the white master could truly escape the injustice and inhumanity……
    If you ask me, what does it mean to be a colored person?
    What is being Asian, being Yellow, being Black, being Female, being Gay about?!
    It is not just about the specific traits that make one female, gay or colored. it s not about having double X chromosomes, about being attracted to the same gender as oneself, or the pigmentation of the skin. These traits are merely accidental. They do not matter.
    It is the history that matters, our experience of injustice.
    Being gay, being a woman/feminist, being colored, is about seeing the world through the eyes of the Exploited, Suppressed and Alienated, it s about seeing the world through the gaping hole that Otherness leaves behind where the hegemonic subject pushes it away.
    When one stops to see the world through the eyes of the oppressed,
    but through the eyes of the oppressor, he/she has forfeited his/her right to pride him/herself on being part of the gay, colored or feminist struggle/ forfeited the right of claiming to be part of the gay, colored or feminist experience.
    The experience isn’t just about having gay sex, the color of the skin or the existence of a vagina and breasts. The oppressed, colonized and alienated feel the violence. It’s part of our history, part of our culture, and part of our language,our discourse.
    Part of our experience of being the Other to the hegemonic subject is not just swimming parallel to the stream, it’s swimming against the stream.
    Leaving behind the struggle and becoming part of the hegemonic mass, gays, women, colored people need to understand that we re also leaving behind an essential part of who we are.
    It is understandably difficult to uphold this perspective once a specific form of otherness,
    has become part of the mainstream experience, so much so that it contributes largely to capitalist society, for instance in entertainment and design, which is why i am a believer of violence,
    part of being the other is also experiencing violence and transforming it to invade the hegemonic subject’s unity/privacy, this violence must not just be directed against main culture,
    but against tendencies in our own sub-groups to become like the hegemonic subject.
    The privacy and personhood of the hegemonic subject is something to be invaded.
    And the injustice of racism, suppression, alienation and capitalism isn’t like puberty, something that we can just progress/grow out off.
    It doesn’t just go away.
    The system, our way of being, our form of communication, and our sexual discourse is structured in a way that doesn’t only allow violation of others,
    it presupposes the violation of the Other.
    I believe in revolution… and when we speak of ethics, let s be clear about what ethics means… it doesn’t simply mean peace, love and harmony…In ethics there is a place for violence and peace, ethics are dialectical…because the status quo is unethical in itself.
    As a colored Asian person I refuse to accept that self-determination means having the same rights as the hegemonic white subject.
    As a gay person i refuse to accept that the queer struggle is a struggle for equal rights.
    The difference doesn’t just lie in homosex or heterosex or being black or white or having a vagina or penis.
    The struggle isn’t won simply by ignoring sexual preferences and the color of the skin of individuals or the gender.
    We can only overcome the difference by reshaping society and discourse as a whole.
    It’s won by rethinking the concept of the self in its relation to the other.
    I don t want to be a “black skin with a white mask“, to quote Fanon.
    “Wanna Play” doesn’t question homosexuality, but it could make us question how we have come to approach sex.
    And sex being a weapon, like language, the form of sex has fundamental implications on the discourse and how we relate to the other.
    His work is not about saying that we as homosexuals are too sexualized or we have too much sex, but it asks, how do we arrive at having sex in the age of grindr, romeo, tinder, hornet, scruff and …
    Indeed he implies, that sex today has become something deviant,
    he asks, what is the form of sex today and what remains of us as the „oppressed“ if we go down the road that is layed out to us in these dating apps.
    Now, some people within the hegemonic discourse will say that this attitude is a fetishization of victimhood, that we need to get a grip, after all, Obama is president!!!
    Yeah, right?… No… Not right…
    Let me say again, this is not just about getting a piece of the pie, I am not in the position of the victim, because of self-indulgence, but because of the prevailing injustice inscribed in the system itself. Someone needs to speak up for those who can’t speak, who will not be heard…
    What remains of the gay struggle for self-determination, if we ignore the form of sexual discourse as it is reflected in these social networks and apps, where we pick what we prefer, filter what or who we don t even want to see!!! don’t want to face!!! whose face we do not want to recognize:
    no Blacks, no Asian, no feminine types, only people who have remained normal.
    This is the reality of how we approach sex today. the normality of the sexual discourse as a whole. (gay as well as straight, but let s get real…
    it’s much more cultivated in the gay world), which is why I prefer the term queer over gay, as it takes into consideration the struggle for self-determination in itself, as such.
    This is not just about dating apps. In dating apps our s(ex)ocial behavior is manifested to allow us to get what we want, do what we want, in simpler and easier way, without the moral repercussions…
    it’s mechanical, the interface takes care of it.
    I get it… sex is fun, but gays shouldn’t let themselves be defined by their gay sex.
    To me being Asian is not about eating rice and having chinky eyes…
    I love rice and eating pork, but it s nothing sacred to me. I keep my distance, allowing myself to be critical of eating habits and the food industry.
    I am very sceptical of all concepts of culture that are helping to construct hegemonic concepts of identity… this also includes so-called subcultures… what a silly word…
    Just because you’re gay, colored or female, it does not mean that you are not part of the hegemonic discourse, you can still be a part of it and thereby a subject of it.
    I am not willing to pretend there is no problem, to fake harmony to the heterosexual world when our own scene/(sub)culture is drenched in injustice, alienation, racism, anti-islamism, sexism and simply ignorance.
    It is a very privileged perspective of P.T. to fight for the right of privacy, believing and pretending that homosexuality itself is under attack, when in fact a certain kind of homosexuality is being attacked, or let’s say questioned… why not?
    Living in this homosexual world I don’t have the comfort that white gay man have,
    homosexuality is not my home, as homosexual i confronted with my otherness almost on a daily basis. It’s in the language, in the way softwares and websites are designed.
    I am very grateful for Dries Verhoeven’s project and I don t have a patriotic sense of solidarity with other gays. Why should I? Just because I have a penis and like penis?
    Something is going wrong, and a new hegemonic subject has arisen in the gay scene,
    making gays complicit to injustice.
    There are queers(gays) and there are people who happen to be gay…
    There are oppressed and oppressors.
    Judith Butler denied the CSD-award a couple of years ago.
    Obviously we didn’t understand the message.
    What’s dissappointing, is that so many people who identify themselves as ‘alternative’ or even subversive have become themselves part of the hegemonic discourse…
    To quote MLK:“injustice anywhere is a threat to justice everywhere“

    • Igor Dobricic

      Through the way you are constructing your argument you are in effect perverting the truth of it.

    • Igor Dobricic

      Or to be more precise, through the way you are NOT constructing your argument you are in effect perverting the truth of it.

  8. Brillant reflektiert! Hab tausend Dank für diesen großartigen Beitrag! Gern bei FB geteilt.

  9. Vielen Dank für einen der wenigen, reflektierten Beiträge zu diesem Thema. Der Mob, der sich da in den letzten Tagen zusammengerottet hat, war wirklich mehr als der Ausdruck eines reaktionären, kleinbürgerlichen Kunstverständnisses. Das einzige, was ich in den letzten Tagen gehört habe, war endloses Gekreische und Gezeter. Aber ironischerweise hat Verhoeven, das Thema das er eigentlich vor allem ansprechen wollte – nämlich die zunehmende Unsichtbarkeit eines schwulen (Nacht)Lebens und den Rückzug in die grindr-Anonymität (?) – wirklich ins Rollen gebracht. Auf einmal sind sie alle aus ihren Zimmerchen gekommen, klar: Ist ja schließlich eine Community. Viel zu schade, dass dieses Projekt zu einem frühen Ende gekommen ist. Aber noch bedauerlicher ist hier das Wie.

  10. Liebe Freunde und Freundinnen.
    Wenn ihr mal kurz über den schwulen community Tellerrand hinausschaut, Parker T. mal Parker T. sein lasst. Versteht ihr nicht, daß privacy kein spiesservalue ist? Wahrung der Privatsphäre gilt nicht nur wenn zwei typen sich über grindr zum vögeln verabreden.
    Die gesamte digitale Bürgerrechtsbewegung kämpft für diese Wahrung der Privatsphäre mit allen Mitteln, Leute wie Snowdon, Poitras, Applebaum und viele mehr riskieren einiges, um über die Gefahren von Überwachung im Netz aufzuklären – und mittels ausgefeilter Mittel dieser dauersurveillance entgegenzuwirken. Alle Kommentator/innen in diesem Forum behandeln die Aktion als wäre das eine Privatauseinandersetzung in der schwulen community. Wenn du in Berlin auf dem heinrichplatz chatgespräche ohne Einwilligung des chatpartners öffentlich machst, ist das keine communityinterne aktion – sie betrifft jeden. Der verstoss, total egal ob mit Foto oder ohne – ist nach den jahrelangen Diskussionen zum Thema in der netzcommunity und darüber hinaus das totale no go. Wie wenig Dries das kapiert hat zeigt ja die erste Reaktion auf die Beschwerde (ok, dann verfremden wir das Bild halt anständig) – darum geht es doch gar nicht. es geht um consent. I can only use your data, if you consent to it. was ist daran so schwer zu verstehen?
    Wer am heinrichplatz war sah dies: Ein Typ, der am Rechner hockt und alle 6 stunden pinkeln geht, ab und zu kommt besuch, dann wird die Gardine zugezogen.
    Die Projektion der Gespräche war besonders wichtig, sonst hätte man ja nicht teuere lichtstarke beamer hingehängt – stundenlang war der projezierte text des Chats das einzige, was sich bewegte – was Aufmerksamkeit band. Der alte theatertrick: das Publikum weiss mehr, als der Kollege, der gleich auftreten wird. Um sich da verarscht vorzukommen muss man weder schwul sein noch parker T. heissen.
    Ausserdem: wenn Dries die analogen Gespräche so wichtig waren: warum waren die denn nicht öffentlich? Ah ja, stimmt – die Privatsphäre sollte gewahrt werden. Tolle Pointe.
    Wir dürfen alle an der Verletzung der Privatsphäre dritter öffentlich teilhaben – aber wenn das passiert, was der Künstler selber “eine total wichtige Erfahrung” nennt – wird der Vorhang zugemacht.
    Sorry, liebe Kommentatoren – für mich bleibt es dabei: Schlampiges Projekt, grobe handwerkliche Fehler – Dilletantismus, der nach Aufmerksamkeit schreit, wo im öffentlichen Raum Transparenz gefragt wäre – und so etwas wie Verantwortungsgefühl. Jede bescheuerte Telekomschleife informiert dich vor einem Gespräch, “daß dieses aus Gründen der Qualitätssicherung aufgezeichnet…..etc” – warum dries nicht einfach jedem anrufer/chatpartner vorab charmant mitteilen konnte, daß er teil eines Kunstprojektes ist – ich verstehs nicht. eine einfach Erklärung wäre schön gewesen – statt endlosem Geschwurbel über Sicherheitsdispositive in der schulen spiessercommunity. ich glaube leider, daß Dries genau dieser Bruch der Privatsphäre interessiert hat – daß er damit genau so ein schnüffler wie der NSA – General Alexander ist – im Sinne der superwichtigen message egal. Dasselbe Gefühl habe ich bei einigen Kommentaren – die finden das ok – damit man in der schwulen Community mal ein Nachdenkzeichen setzt. So kann man Kunst auch missbrauchen

  11. Patrick Schuckmann

    I think there was a confusion between the intentions of the wannaplay project and the actual dangers of (gay) dating apps. It is possible to use grindr or gay romeo for ‘evil’ purposes – to expose, humiliate, attack, hunt down and violate gay people – this is actually what happens in Russia and other homophobic countries. The thing is, it did not happen in Berlin. I guess so many people were outraged here, because they became aware of the possibilty. Maybe they realized only now that grindr was actually NOT the ‘safe private place’ they had fantasized it to be? It’s a fact that millions can see your profiles displayed online and anyone who has a profile (fake or real) can read your private messages out loud to anyone else. It is stupid to blame the artist for that and silly to assume disclosure was his aim. He had intended to start a discussion on the possibilty of love in the times of grindr. The chat was only visible to a few people on the street – NOT to millions of internet users. He made a mistake by not taking enough care to anonymize the profiles, but he cannot be blamed for everything that is disturbing or dangerous about the app technologies themselves.

  12. martinframee

    I agree with you 100%.
    “He made a mistake by not taking enough care to anonymize the profiles, but he cannot be blamed for everything that is disturbing or dangerous about the app technologies themselves.”

    And I guess because of that big mistake he had to finish the project.
    But it seems to be important to think about and discuss the problems which are created through those new technologies and how they could do harm to their users. Sorry for my bad English.

  13. ich sags simpel.
    das thema ist für mich intersexuell und keins “in zeiten von grindr”, sondern “in zeiten der digitalen kommunikation”.
    was bedeutet dieses projekt-gegen das ich war und bin-für mich als heterosexuelle frau, im internet aktiv?!
    sei immer auf der hut, gib nichts preis, glaube niemandem, erwarte das schlimmste.

    das hätte er erreicht, wären da nicht so viele menschen, die das nicht zulassen!

  14. Pingback: Touch of Concern. Queere Mikropolitiken bei GayRomeo und Grindr | Queer-O-mat

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