Männermode: Back to basics

Schonmal drüber nachgedacht warum Menschen mit vielen Tätowierungen auf den sichtbaren Teilen des Oberkörpers tendenziell eher unifarbene T-Shirts tragen? Mit den ganzen Körperbemalungen ist schon genug Unruhe im Gesamtbild des Körpers, wenn dann auch noch unruhige Muster in der Kleidung dazu kommen, herrscht Chaos und ästhetischer Unmut. Easy to the eye ist anders.

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Was für volltätowierte Menschen gilt, kann man auch auf Leute mit weniger oder kaum Tinte unter der Haut übertragen: weniger Chaos, mehr Ruhe.
Jetzt kursieren für Männer und Frauenmode (noch immer) grundverschiedene Modediskurse und weil ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will, fasse ich mich kurz: ein Mann ist in Basics am besten angezogen. Simple Schnitte und simple Farben. Keine Print-Shirts, die sind sowieso nie lustig. Keine grellen Farben. Keine riesigen Markendrucke. Nichts. Einfach gar nichts.

Wenn ich ein Outfit trage, mit dem ich die Comfort Zone (also den Kiez, nicht Neukölln, das verlässt man sowieso nur alle Jubeltage) verlasse, dann will ich nicht, dass man mich erst auf den zweiten Blick sieht. Ich will mich nicht hinter meinem Outfit verstecken, etwas vor mir hertragen, das ins Auge sticht, sondern etwas, das wie, wie oben gesagt, easy to the eye ist. Etwas, das mich als Person ernst nimmt. Wenn ich mich selbst nicht ernst nehme, dann brauche ich Substitute in meiner Kleidung, die kommunizieren, was ich mir selbst nicht zutraue. Und das ist was Mode (auch) ist: ein Kommunikationsmedium.
Tritt das Outfit zurück, tritt der Mensch darin hervor. Der Körper ist eine zu bespielende Fläche, Kleidung ist sozial (und klimatisch) bedingt notwendig. Je mehr Persönlichkeit ich mir selbst zutraue, desto weniger muss ich in meine Kleidung investieren, um auszudrücken, wer ich sein will. Ich kann einfach sein, durch meine Körpersprache, durch Details, durch meinen Körper selbst, durch einen Bart beispielsweise und auch durch permanente Bilder in meiner Haut, oder durch einen Haarschnitt.
Damit will ich keine Individualisierungsdiskurse anfeuern oder sagen: sei wer du bist! Identitäten sind mehr wie Stimmungen, aber ich überlasse lieber meinem gesamten Erscheinungsbild den Eindruck, als einem Objekt, das ich am Körper trage. Kleidung kann am Ende nur unterstreichen, denn jemand, der sprichwörtlich alles tragen kann, ist auch immer jemand mit Ausstrahlung. Wenn ich mir selbst vertraue, dann fällt die Notwendigkeit weg, durch auffällige Kleidung auffallen zu wollen. Weil ich mich kenne, weil ich weiß, wer ich hinter dem T-Shirt bin, unter dem Sweater bin, in meiner Hose bin, brauche ich keine krassen Farben oder krassen Drucke, um mir Geltung zu verschaffen. Ein T-Rex der zu kurze Arme hat, um Liegestütze zu machen ist zwar als Meme unendlich süß, aber als Shirt leider genauso peinlich.

Ohne jetzt in esoterische Typberatung verfallen zu wollen, nehme ich mich selbst als Beispiel. Braune Haare, roter Bart, grüne Augen, Narben im Gesicht. Schwierig. Unruhe.
Wenn ich den roten Bart zu verstecken versuche, bringe ich um eins meiner besten Aspekte in meines Gesichts, und ich trage gerne Bart, als muss ich gegensteuern. Mit rot komme ich nicht weiter, grün kann noch funktionieren, aber mit dunklem blau oder weiß bringe ich Ruhe in mein Gesamterscheiungsbild.
Anders gesagt: Mit Farben, von denen ich weiß, dass sie mir stehen, tue ich mir einen Gefallen. Mit einem weißen T-Shirt fühle ich mich am besten angezogen und schlage dem Kapitalismus noch ein Schnippchen, weil ich davon gleich 10 habe, die ich solange trage, bis sie durch Dreck oder Verschleiß untragbar sind und kaufe dann neue. Weiße T-Shirts in einer guten Qualität und aus fairer Herstellung sind einfach zu bekommen und halten lange. Mein Konsumbedarf ist klein, auf das notwendigste beschränkt, ich kann die Sachen auch noch in ein paar Jahren tragen und bin keinen kurzlebigen Trends ausgesetzt.

                                                                             

Was für jeden persönlich als „Basic“ gilt und funktioniert, muss man mit sich selbst aushandeln. Aber hier ein paar Faustregeln:
Schöne Menschen brauchen keine schöne Kleidung.
Schöne Menschen machen Kleidung schön.
Basics sind die Basis deines Outfits: lieber stabil arbeiten.
Wenn du etwas findest, das dir gefällt und steht, kauf viel davon: es wird sich sobald nicht ändern.
Wenn du selbstbewusst sein willst, sei dir deiner selbst bewusst und übertrage das auf deine Kleidung.

 

Basic-Sweater, Basic-Shirt, Basic-Jeans – These are a few of my favourite things. Letztlich sind Basics die Basis eines jeden Outfits, und je solider die Basis, desto fester der Auftritt.

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Bild via flickr.

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