Die Muschi und der Wolf: Mythos Männerhass. Punkt. Fragezeichen.

Die Muschi und der Wolf haben sich zusammengetan, um gemeinsam die Zähne zu fletschen. In der ersten von uns aufgegriffenen Debatte geht es um Männer- und Frauenhass: Mythen, Wahrheiten, Eingeständnisse. Meinen Beitrag zum Thema Frauenhass könnt ihr bei der muschimieze lesen.

Jede Revolution fordert ihre Opfer. Im Zeit-Interview erklärt Femen-Anführerin Schewtschenko das Matriarchat zum Ziel aller feministischen Bemühungen – den Weg dorthin sollen blutendende Männer säumen, denn eine Revolution sei nun mal brutal. Freiheit, Gleichheit, Brüderlich-, äh Schwesterlich-… ja, was jetzt eigentlich? Der Kampf für Frauen ist für viele gleich zu setzen mit einem Kampf gegen Männer, gegen Sex, kurz gegen alles was Spaß macht. „Männerhass!“, ein Wort mit dem niemand in Verbindung gebracht werden möchte. Die wohl größte Fessel der Frauenbewegung, wirkungsvoll abschreckend – wer braucht schon Argumente, wenn es Stempel gibt, die sich keine aufdrücken lassen möchte. Es ist außerdem ein Wort, das ich noch nie aus einem aufgebrachten Frauenmund, dafür aber schon allzu oft den Chören gekränkter, weißer, heterosexueller, verletzter Männergruppen entnehmen durfte. Gibt es diesen universellen, alles vernichtenden Männerhass überhaupt? Frisst die Revolution ihre eigenen Kinder? Statt Männerherrschafft eine Damentyrannei – ich sehe lodernde Fackeln und aufblitzende Guillotinen an meinem inneren Auge vorbeiziehen. Oder ist der vermeintliche Mythos doch bittere Realität, die durch die lila Brille zu schnell verkannt wird? Ich begebe mich auf die Suche nach diesem „Männerhass“. Passenderweise existiert das schlau klingende Synonym „Misandrie“ erst seit gut zwei Jahrzehnten, für sein Pendant den Frauenhass, gab es schon längst den Fachbegriff „Mysoginie“. Denn es waren schliesslich nicht die Männer, die systematisch unter Ausschluss zu leiden hatten und auch Frauen, die aus blankem „Männerhass“ heimtückisch morderten und vergewaltigten, machten sich in unserer Geschichte rar. Dennoch hält sich der Hass-Vorwurf hartnäckig und vor dem Hintergrund feministischer Aussagen, wie der von Schewtschenko, ist dieser wohl auch nicht immer direkt von der Hand zu weisen. Verzweifelte Distanzierungsversuche sind oft die Reaktion. „Mein Mann ist nicht mein Klassenfeind, sondern der Fels in meiner Brandung!“, erklärt das geistreiche Schild einer jungen AfD-Wählerin, die vor lauter Naivität strotzend schon fast bemitleidenswert in die Handykamera schielt. Das können wahrscheinlich die meisten Frauen so unterschreiben. Denn wer ist schon mit seinem Feind zusammen. Vielleicht jene Frauen, die unter häuslicher Gewalt zu leiden haben? Müssten die ihren Mann, und somit stellvertretend womöglich alle Männer, nicht für das ihnen alltäglich bescherte Martyrium hassen? Das können wohl die Frauenhäuser verneinen, denn die meisten Frauen kehren zu ihren Peinigern zurück, verzeihen alles und geben sich noch selbst die Schuld. Stockholm-Syndrom at it‘s best, die fachgerecht domestizierte Hausfrau bleibt eben beim Herrchen. Die Frage drängt sich auf: dürfen Frauen überhaupt hassen? Diese liebevollen, verständnisvollen, empathischen, makellosen Geschöpfe? Ist weiblicher „Hass“ genetisch überhaupt möglich, evolutionär vorgesehen, geschweige denn gesellschaftlich gewollt? Natürlich nicht, schreien diejenigen, die sich selber nie als Feministinnen bezeichnen würden! Denn, so habe ich es genau aus diesen ach so männerfreundlichen Mündern schon allzu oft gehört, würden Frauen die Welt regieren, gäbe es keine Kriege mehr, keine Gewalt und kein Leid. Frauen können alles – und das auch noch gleichzeitig (Multitasking und so)! Männer, diese triebgesteuerten, machtbesessenen, untreuen Machos sind alle gleich – entweder besetzt oder beschissen. Er muss ein Gentleman sein, Rechnungen zahlen, Türen aufhalten und in Mäntel helfen, gut verdienen und größer sein. Wenn er einen sexistischen Witz reisst (denn er denkt ja bekannterweise immer nur an das Eine), gibt es verbal auf die Fresse, während die Dame selbst gern mal neckisch Hand anlegt. Ein Klaps auf den Po ist doch schon ok – kann ein Mann überhaupt sexuell belästigt werden? Wahrscheinlich nicht und wenn, dann kann er es gut wegstecken oder steht er doch insgeheim drauf. Ein Mann ist kein Opfer. Er ist immer nur der Täter. Stichwort Beziehung. Stichwort Kriminalität. Ja, Stichwort Wirtschaftskrise. Denn Hochmut kommt vor dem Phall. Jetzt mal im Ernst, einen Männerhass, wie wir ihn vom Frauenhass kennen, lässt unsere patriarchalisch strukturierte Gesellschaft nicht zu. Diskriminierungen und Benachteiligungen, resultierend aus nicht zuletzt medial künstlich geschürter Angst und geschlechtsspezifischer Stigmatisierung, hingegen schon. Vorurteile und Ablehnungen die auch Männern aufgrund ihres Geschlechts entgegengebracht werden, finden im öffentlichen Diskurs kaum oder gar kein Gehör. Ein männlicher Babysitter oder Erzieher ist irgendwie komisch, „der soll mein Kind bloß nicht anfassen“. Der böse (schwarze) Mann ist der Grund, weshalb jugendliche Mädchen abends von Mutti nach der Party abgeholt werden und gleichaltrige Jungen „schon allein zurecht kommen“. Männer haben keine Ahnung von Mode, Erziehung, Kindern und Liebe und eigentlich doch alle gleich.

#Aufschrei hat vielen Frauen die Plattform gegeben, sich auszusprechen und Gehör zu finden. Ein wichtiger Hashtag, der die gesamte Bevölkerung für Sexismus gegen Frauen sensibilisiert hat – doch es gibt kein männliches Pendant dazu. Männerfeindliche Witze werden belächelt und selbst körperlich missbrauchte Männer noch verspottet und kritisch beäugt. „Frauen und Kinder zu erst!“, hieß es nicht nur auf der Titanic – Frauen werden nicht nur glorifiziert, sondern in einem Abwasch noch entmündigt. Die wertende Unterscheidung zwischen den Geschlechtern hat Ungerechtigkeiten auf beiden Seiten zur Folge und patriarchale Systemstrukturen machen den mordenden Frauenhass (wie wir ihn aus Funk und Fernsehen ja zu Genüge kennen) erst möglich. Daraus resultiert teils berechtigte, teils überzogene Angst und Ablehnung gegenüber dem dominierenden Geschlecht, das nicht nur genauso viel Wert, nein, eigentlich auch genauso schwach oder stark, intelligent, dumm, emphatisch oder kaltherzig sein kann wie das Unterdrückte. Die Antwort darauf kann wohl kaum ein negatives Abziehbild namens „Matriarchat“ (und sei es durch Schewtschenko auch noch so ironisch gefordert worden) sein. Das Problem ist nicht „der Mann“ oder „die Frau“ (ja ich weiß, das binäre Feindbild ist immer so schön bequem), sondern die Schubladen in unseren eigenen Köpfen, die nicht mehr zugehen wollen, wenn sich auf einmal Individuen voneinander abgrenzen und nicht mehr nur ihre Geschlechterrollen. Männer und Frauen eint mehr, als sie entzweit. Es könnte alles so einfach sein. Wenn wir aufhören würden kleinen Mädchen Puppen und kleinen Jungen Kriegsspielzeug in die Hand zu drücken. Wenn wir aufhören würden, „schwul“ und „Mädchen“ als Schimpfwort zu verwenden. Wenn wir aufhören würden, uns über weibliche Handwerkerinnen und Vollzeitpapas zu wundern. Wenn wir aufhören würden, fremde Erwartungen zu erfüllen und stattdessen eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wenn wir aufhören würden die Unterschiede zu suchen und anfangen würden, die Gemeinsamkeiten zu sehen. Wir. Nicht er oder sie, du oder ihr. Wir.

Was der Wolf über das Thema schwule Misogynie zu sagen hat, könnt ihr hier nachlesen.

Comments (4)

  1. Pingback: Fehler im Quellcode: Schwuler Misogynismus | MUSCHIMIEZE

  2. Carmilla DeWinter

    Jupp.

  3. Wenn du dich vielleicht noch tiefgründiger mit dem Thema Männerhass (Abwertung des “Männlichen”) oder Frauenhass (Abwertung des “Weiblichen”) auseinandersetzen willst:
    http://liga-kind.de/fruehe/302_petri.php
    http://www.werkblatt.at/nitzschke/text/maennerhelden.htm
    http://www.systemische-professionalitaet.de/download/schriften/86-die-angst-der-maenner.pdf
    LG S.

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