Huch, ist ja Fastenzeit

Religion spielt in meinem Alltag keine Rolle, stell ich mal in den Raum. Als ich mit 14 von meinem Recht gebrauch machen wollte aus der Kirche auszutreten bin ich schnurrstracks ins Pfarramt gerannt (statt zum Rathaus) und hab den Dorfpriester kräftig aufgemischt. Der Blick der Sekretärin, als ich sagte: „Hallo, ich würde gerne aus der Kirche austreten“ gehört definitiv in die Trophäensammlung meines Rebellentums.

NinaGarcia

Als ehemaliger Messdiener mit schullebenslangem Religionsunterricht, rest-katholischem Elternhaus und poetisch-pragmatischer Oma (ihr Rezept gegen die Vanitas: „Lieber Gott mach mich fromm damit ich in den Himmel komm“) ist mir die Fastenzeit aber ein Begriff. Seit 05.03. schon soll man ja eigentlich fasten, aber besser spät als nie. Noch schnell auf den Zug aufspringen und vor Mitte April ein paar Übungen in Verzicht einbauen klingt nach keiner schlechten Idee. Witzigerweise haben in meinem Umfeld verschiedene Leute angefangen vor sich hin zu fasten, da liegt wohl was in der Luft. Weil ich auf Essen nur ungerne verzichte, hier ein paar Dinge, von denen man kurzzeitig ablassen wollen könnte:

Alkohol – Macht dick, dumm und dämlich. Und Spaß.

Bioprodukte – Wir werden die Welt nicht durch Konsumentscheidungen retten, endlich einkaufen mit gutem Gewissen.

Contenance – Weg damit. Ist der Ruf er einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Datingapps – Irgendwann kennt man sie ja doch alle oder trifft sich in der Olfe…

E-Zigaretten – Rauch doch einfach, ehrlich.

Flouridierte Zahnpasta – Verschwörungstheorie, der Kapitalismus will uns langsam durch giftige Inhaltsstoffe zu Grunde richten!

Geld – Üb schon mal für die Zeit nach den Währungen. Wenn Jesus wieder da ist, brauchen wir ohnehin keine Kohle mehr.

<3 – Das Herzchen-Smiley. Wer mit mir in privatem Kontakt ist, kennt meinen exzessiven Gebrauch. Ich höre jetzt auf love zu spreaden, weil ich ohnehin immer bei <2 oder so lande.

Internet – begann als Freiheitsversprechen und ist jetzt ein orwellsches Instrument der Überwachung. Oh shit, damit schneide ich mir ja ins eigene Fleisch.

Jutebeutel – die sind seit 2011 ohnehin nur noch bei Kunststudent_innen beliebt.

Nachrichten – Die Welt wird gerade nicht besser, aber deine Stimmung, wenn du auf Nachrichten verzichtest.

Sexismus – Ganzjährig. Ohne Frage. Immer unnötig.

Unterwäsche – Weniger Wäsche, weniger Waschen, weniger Umweltverschmutzung und Energieverschwendung. Das Bauarbeiterdekolleté könnte dadurch ein neuer Trend werden.

Verzicht – Religiöses Relikt der Selbstdisziplin, auf das man in der Fastenzeit getrost verzichten kann.

Warten – Wann, wenn nicht in der Fastenzeit, keine Zeit mehr mit Warten verschwenden?

Zucker – raffinierter Zucker enthält ohnehin keine Vitamine mehr und hat den Nährwert eines Tempos.

 

Das sind natürlich nur schlecht recherchierte (Facebook-Umfrage) und im Affekt ausgedachte Möglichkeiten. Worauf verzichtest du, um Gott zu zeigen, was du so alles drauf hast?

Kommentar verfassen