Der Dreier-Knigge

Es gibt eine „Will & Grace“-Folge in der Grace von einem Ex zu einem Dreier eingeladen wird. Als sie sich zum Trio-Sex durchringt, taucht sie warm eingepackt in einem Hotelzimmer auf, das Pärchen wartet im Bademantel auf sie. Schicht um Schicht entzwiebeln sie die schüchterne Grace, bis sie über eine Kleinigkeit in einen Streit geraten. Grace wartet den Streit ab, bis sie ausrastet und die beiden anschreit. Das Pärchen ist von ihrem Wutausbruch angeturnt und will sie vernaschen, aber Grace rastet wieder aus und rennt schreiend aus dem Zimmer.
So macht Sex zu dritt keinen Spaß.

Mein Sitcom-Wissen hat noch eine Binsenweisheit zu Tage gefördert: sei immer der Stargast. Ich glaube das Zitat kommt aus „Sex and the City“. Wollen wir in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts unser Sexleben noch immer nach Ratschlägen aus amerikanischen Serien, die in den 90ern anfingen, beziehen? Die Quellenlage ist zu schwammig, oder?

Hier ein kleiner Knigge für‘n Dreier, ob flott oder nicht:

Jemand hat dich in einer Bar aufgerissen und macht dir ein Angebot, das euer Rumgeknutsche expandieren soll? Ein befreundetes Pärchen macht einen Videoabend und plötzlich besnuggeln sie dich von beiden Seiten? Sex zu dritt wartet nicht um jede Ecke, aber wenn er kommt, nicht zögern!

Jetzt die Frage: Bist du bereit? Ja, nein, vielleicht: vollkommen egal. Atme nicht tief durch, geh nicht in dich, denk nicht drüber nach, lass den Zweifeln keinen Raum. Runter mit den Klamotten und rein ins Getümmel.

Man muss nicht immer der Stargast sein. Vielmehr kommt‘s auf den Respekt an. Wer in der Runde kennt wen wie gut, ist eine legitime Frage. Hat man gerade Sex mit einem Pärchen? Treffen sich gerade alle zum ersten Mal? Mach dir vorher klar, wie alle zueinander stehen. Kommt eine Ego-Show bei Sex zu zweit schon scheiße an, ist sie beim Sex im Triplett noch weniger angemessen.
Die Personenkonstellation, die sich am wenigsten gut kennt, sollte versuchen sich kurz zu beschnuppern. Immer daran denken: Sex zu dritt ist kein Sex im Duett mit wechselnden Partnern, sondern drei Körper klatschen hier gerade aufeinander. Das heißt: noch mehr Körper zum anfassen, noch mehr Nippel, Eier, Zunge, erogene Zonen. Gib dich erst zufrieden, wenn du auch alles, aber auch alles, gesehen hast.

Du fühlst dich ausgeschlossen, hast das Gefühl zu wenig beachten zu bekommen? Sitz nicht mürrisch am Bettrand rum und schmoll vor dich hin, sondern steck deine Zunge irgendwo rein. Vielleicht wird deine Schüchternheit als Abweisung verstanden. Aufmerksamkeit musst du dir jetzt ein bisschen härter erarbeiten, aber nicht die Ellbogen aus-, sondern Verführungstaktiken auffahren. Wenn alles gut läuft, hast du ganz schnell mehr Aufmerksamkeit als du sensorisch verarbeiten kannst.

Das Poppers knallt gerade so richtig und du kannst dich nicht von jemandem lösen? Denk dran, du hast zwei Hände. Eine für jeden der beiden Körper, die du gerade vernaschen willst. Wenn du dich schon nicht ausgeschlossen fühlen willst, dann schließ auch niemanden aus. Mitgefangen, mitgehangen.

Die Vorlieben deines Gegenübers beim Sex zu filtrieren und nicht vor Geilheit eine Show abziehen, die nur dir gefällt, ist für empathielosere Gemüter ohnehin schon schwierig. Konfrontiert mit der doppelten Dosis erogen-ungewissen Terrains hilft folgender Ratschlag: Leute machen meist das mit dir, was sie gerne von dir hätten. #1 beißt dich, #2 nicht? Dann verkeil dich in #1 aber lass die Zähne von #2s zarter Haut. Und so weiter.

Wenn ihr es schafft die Feuerwerke bei allen dreien knallen zu lassen, herzlichen Glückwunsch! Jetzt könnt ihr postkoital kuscheln wie Hindu-Götter, überall Arme und Beine, bummsbesoffen verschränkt und mollig warm.

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