Homophob sind immer die anderen

Sind Schwulen und Lesben jetzt gute Eltern oder nicht? Eine Frage, die banal erscheint, wenn man sieht, was beispielsweise in Russland die Rechte von Sexualitäten jenseits der heterosexuellen Norm droht. Boykottaufrufe noch und nöcher und die Frage: wie sehr ist jeder nicht heteronormative Sex tatsächlich ein Menschenrecht, das es auch wert ist, durchgesetzt zu werden? Auf den ersten Blick noch banaler: Tumblr bannt die Hashtags #gay, #lesbian und #bisexual. Ein Schritt der angekündigt wurde, nachdem die Blog-Community, die laut Schätzungen zu 10% aus pornographischen Inhalten besteht, von Yahoo aufgekauft wurde.
Alle oben genannten Punkte eint, wenn auch nicht auf den ersten Blick: Homophobie.

Wann Homophobie anfängt wird dabei in den Debatten selten aufgenommen. Zu sehr sind Kommentatoren und Moderatoren damit beschäftigt Toleranz und Akzeptanz zu verkünden, wenn auch nur in homöopathischen Dosen. Homophob sind immer die anderen. Reine Rhetorik.
Trotzdem sind wir alle vielleicht ein bisschen selbst daran Schuld. Sexuelle Vielfalt und Freizügigkeit genießen wir nicht, stattdessen verkaufen wir uns als die besseren Bürger, die wir ohnehin niemals sein werden. Schwule und Lesben haben verlernt sich zu wehren, wenn es zwickt. Stattdessen machen wir andere Minderheiten zu denen, die uns hassen.

Anstatt nach Freiheit zu rufen, kämpfen wir um das Recht selbstbestimmt zu leben und wollen letztlich nur in Ruhe gelassen werden. Gegen die Forderung auf ein selbstbestimmtes Leben wäre nichts einzuwenden, wenn es nicht mit einer gefährlichen Haltung einher ginge, die aus dem neoliberalen Denken mit herüber schwappt. Wir sind so sehr für uns selbst verantwortlich, dass wir es nicht mehr wagen, den Mund aufzumachen, wenn jemand uns unterdrückt. Solidarität klingt wie ein Begriff aus dem Baukasten für verstaubt-linke Ideologien. Stoisch nehmen wir es hin, werden immer stiller und letztlich so angepasst, dass wir am Ende vielleicht wirklich alle davon überzeugt haben, gute Eltern zu sein. Schwul und lesbisch sind wir dann aber vorrangig immer noch und das macht uns zu Bürgern zweiter Klasse, pädagogisches Talent hin oder her. Haare schneiden, Blumen verkaufen, LKW fahren: dazu sind wir gut genug. Die Schwarz-Weiß-Rosa-Malerei, die wir damit betreiben, treibt einige von uns bunt bemalt und halbnackt einmal im Jahr auf die Straße. Auf dem Christopher-Street-Day exotisieren wir uns und essentialisieren unsere sexuelle Identität als die Spitze des Eisberges unserer Persönlichkeit. Dabei wäre Angriff, nicht nur einmal im Jahr, tatsächlich die bessere Verteidigung. Anstatt klischierter Repräsentationen brauchen wir diverse Bilder in Medien und Köpfen der Republik um gegen Homophobie anzugehen.

Nur so kommen wir den Berührungsängsten mit der schwul-lesbischen-trans-queer-* Lebensrealität bei. Da beginnt sie, die uneingestandene Homophobie vieler.

Leave a Reply