Berliner Zahlungsmoral: Keine Lust mehr auf Dosen-Ravioli!

Synergien flattern durch die Lüfte, süße wohlbekannte Düfte (Latte Macchiato und Dosen-Ravioli – das eine trinkt man ostentativ im Café, das andere verschämt zu Hause) streifen ahnungsvoll die Stadt. Berlin ist voller kreativer Köpfe, voller Talente, voller Potenzial. Es gibt immer jemanden, den man kennt, der was kann, das man gerade braucht. Videos schneiden, Texte schreiben, Listen besorgen, Übersetzungen machen, Bilder machen – die Liste ist so lang wie die Talente, die sie befüttert. Ein Gefallen hier, ein Gefallen da, Wertschöpfung besteht darin Freundschaften zu intensivieren.

Natürlich ist man hin und wieder bereit, etwas ohne Bezahlung zu machen. Natürlich ist es kein Ding, tut dem Portfolio ja gut, jetzt einfach zwei Wochen lang durchzuarbeiten und alles andere stehen und liegen zu lassen.

Aber mal im Ernst: Wir beuten uns schon selbst aus, müssen wir dann auch andere ausbeuten?

Scheinbar schon. Die Freundschaft hört auf, sobald es um das liebe Geld geht. Der Freundschaftsdienst wird zum Stressfaktor, wenn anstatt professioneller Aueinandersetzung, das Gejammere losgeht. Man ist ja unter sich, dann kann man auch mal auf die Tränendrüse drücken. Geiz ist nicht geil, wenn dabei Vertrauen gebrochen wird. Die Stadt ist voller Möglichkeiten, aber ihr fehlt es leider auch an einem Filtrationssystem, das Idioten davon abhält, Projekte auf die Beine zu stellen, die am Ende nach hinten losgehen. Kritikfähigkeit wird dann plötzlich von einer dicken Schicht Arroganz abgeschirmt. “Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen” wird als kindische Binsenweisheit entlarvt. Die Erfahrung lehrt: keine Ausrede ist zu Feige, um das Geld zu horten, das man mühsam mit der Hilfe anderer erwirtschaftet hat.

Aus Synergie wird Stress wird Dosen-Ravioli, weil mehr kann man sich dann leider nicht leisten, um über den Tag zu kommen. Das vielbeschworene kreative Prekariat stellt sich hin und wieder selbst ein Beinchen, wenn es weiter so vetternwirtschaftsmäßig vor sich hin wurschtelt. Berlin mangelt es an Professionalität, nicht an Ehrgeiz oder Träumen. Ein Gefallen darf nicht zur Gefälligkeit werden. Die eigene Glaubwürdigkeit leidet, wenn “Credibility” zur Währung erhoben wird.

Ich spreche aus Erfahrung.

Also: bezahlt eure Freunde und überlegt euch, ob ihr zusammenarbeiten wollt oder doch lieber dabei bliebt hin und wieder ein Bier zu trinken und von Projekten zu träumen, anstatt sie umzusetzen.

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