Bei Flipflops krieg ich keinen hoch

Wenn man sich eine Zwiebel an der Fußsohle reibt, soll man angeblich den Geschmack später im Mund haben. Haben all die Typen mit Flipflops unter den Füßen jetzt Gummi-Geschmack in der Fresse? Ich hoffe schon, geschieht denen recht. Die Zunge würde ich nicht in deren Mund versenken wollen. Schockt doch eh niemanden mehr, wenn man sagt, dass die Gummi-Treter mit dem lustigen Geräusch voller Schadstoffe sind. So ein bisschen Risiko kann man schon im Alltag eingehen.

Um mal kurz Stilpolizei zu spielen: Flipflops sind leider richtig hässlich. Das Geräusch, dass sie ohnehin machen, mal ganz bei Seite: viel schlimmer ist das matschige Ploppen, das entsteht, wenn sich ein kleiner miefiger See aus Schweiß auf dem Gummi bildet (und damit bestimmt noch mehr Weichmacher aus den Teilen rausholt, die dann in den Körper der Geschmacksgeschädigten wandern). Pfffft. Pfftscht. Pffft. Plop. Plop. Alleine wenn ich an das Geräusch denke, zieht mein Körper das ganze Blut aus der Lendengegend ab. Egal wie schön deine Fresse ist, mit den Flipflops kannst du wieder wegwatscheln.

Es geht mir gar nicht um die Hobbit-Füße, die die meisten Männer in nordeuropäischen Ländern haben. Damit komme ich gut klar. Aber man könnte sie wenigstens nett verpacken. Bootschuhe, wer es richtig fashionable haben will mit Cutout-Schuhen. Wenn die Kohle dafür nicht reicht es aber trotzdem offen sein soll, dann wenigstens in Sandalen. Schöne Schuhe können von entstellten Hufen ablenken. Wer erwartet schon irgendwas von jemandem, der seine Füße in Grelle Gummilatschen verpackt? Wie viel Respekt hat jemand vor sich selbst und seinen Füßen, wenn er bei jedem Schritt auf kleinen, vollgeschwitzten Tretbooten ausrutscht und nur von einem Fußpilz verseuchten String zwischen den Zehen festgehalten wird? Ihr kommuniziert etwas mit euren Schuhen, meine Herren. Auf die Nachricht, die ihr mit euren Flipflops abgebt, solltet ihr aber lieber keinen Rückruf erwarten.

Ich weiß nicht, welcher Trendforscher die Sache mit den Flipflops in Gang gesetzt oder welche Werbe-Gag da aufgegangen ist. Lieber Kapitalismus, schlägst du dir wirklich mit Schuhen den Bauch voll, die kaum etwas kosten?

Viel mehr kostet ein Paar Espandrilles auch nicht, die sind genauso schnell angezogen und gut klimatisiert. Wer jetzt denkt, es wäre unbedingt notwendig, einen Fuß ganz im Canvas zu versenken und beim anderen die hornhautige Ferse raushängen zu lassen: sorry, auch das sieht scheiße aus.

Bild: Rafail in Minimarket, mehr von Rita Lino hier.

Comment (1)

  1. Vom anderem Ufer aus gesehen.

    Wenn man sich eine Zwiebel an der Fußsohle reibt, soll man angeblich den Geschmack später im Mund haben. Haben all die Typen mit Tennissocken an den Füßen jetzt Fussel in der Fresse?
    Und haben FlipFlop-Träger Gummireifen im Mund?!
    Nein. Bei mir transformiert sich was anderes. Ein Freiheitsgefühl steigt auf, diffundiert von der Fußsohle durch meinen Körper und lässt Erinnerungen und Freiheiten frei, die zwar nicht in meinem Mund – aber immerhin in meinem Kopf landen.

    Ich mag FlipFlops. Nicht unbedingt aus ästhetischen Gründen. Viel mehr aus Bequemlichkeit und dem Gefühl – dem Gefühl aus dem Alltag rauszuschlüpfen ohne eine Schleife aufknüpfen zu müssen.

    Wie damals am Meer.
    Aufgestanden. Shirt und Shorts übergestreift, Sonnenbrille auf und ab in die Gummilatschen. Flanieren an der Strandpromenade. Runter zum Strand. FlipFlops abgestreift. Die Brandung zwischen den Zehen, die Wellen an den Knöcheln.
    Danach zu dem kleinen Café an der Piazza. Cappuccino und Cornetto. Auf Plastikstühlen sitzen. Und die Hobbitfüße trocknen lassen. Laisse faire.

    Trage ich in Deutschland FlipFlops dann nicht der Ästhetik wegen. Nein. Viel mehr um in Erinnerungen zu wandern. Ein Schritt Sand, ein Schritt Abendteuer, ein Schritt Ferne in die Heimat tragen. Begegnet mir jemand anderes in FlipFlops stößt mich dass nicht ab. Ich sehe vielmehr einen Träumer, einen Abendteurer, einen der lieber nun auch im Urlaub wäre als in der Straßenbahn. Einen, der lieber das Leben geniesst, als in Modezeitschriften nach dem neusten Bootschuhtrend nachjagt. Dieses Ausbrechen aus der Uniformierung des Alltags macht mich an. Das finde ich sexy.

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