Hypezsch: Du bist nicht Berlin

Am besten sollte ich an dieser Stelle gar nicht von Leipzig sprechen. Die günstigen Mieten, die schönen Wohnungen, die charmante und fahrradfreundliche Größe der Stadt, die netten Menschen: sie sollten unerwähnt bleiben.
Mein Trip nach Leipzig für das Redaktionstreffen von TONIC war kurz. Ich kann mir eigentlich gar kein Urteil erlauben. Will ich auch gar nicht, aber:

Jeder Vergleich zwischen Berlin und Leipzig soll doch bitte hinken. Sätze wie „Leipzig ist wie Berlin in den 90ern“ können nicht stimmen, weil wir alle nicht mehr in den 90er Leben. Sonst hätte am vergangenen Samstag Westbam und nicht Mano le Tough in der Destillery aufgelegt.
Offenheit, Aufbruchsstimmung, Möglichkeiten: Leipzig ist voll davon. Ein Blog-Post über neue Initiativen, wie beispielsweise das Institut für Zukunft, versprüht so viel Optimismus, da tut sich ein so großer Kosmos aus Aktivitäten (Labels, Clubs, Parties) auf, dass man als Berliner den Spiegel vorgehalten bekommt. Schau dir in die Fresse, siehst du deine Mundwinkel? Der Zynismus frisst sich langsam so sehr in dein Gesicht, dass du dir bald Botox wirst spritzen müssen. Das wird sich aber nur leisten können, wer den Verteilungskampf überlebt.

Die Versuchsanordnung Leipzig ist sensibel. Jeder Berlin-Vergleich schreibt der Stadt eine teleologische Fahrtrichtung zu. Was in Berlin, trotz der vielen Baustellen, schon fertiger wirkt, wird in Leipzig noch aufgebaut. Was Berlin gerade aufweicht, sind die Spätfolgen des Hypes. Ersparen wir das dem Spielplatz in Sachsen.
Anstatt darüber zu schreiben und die Blase durch heiße Luft zum Platzen zu bringen, lieber in den Zug steigen und selbst anschauen. Die Open-Airs mit eigenen Augen sehen anstatt der Polizei Informationen in die Hände zu spielen. Selbst in die Pop-Up-Restaurants gehen, anstatt nur darüber zu lesen. Den Vibe in den Clubs spüren, der so in Berlin nur noch in den wenigen magischen Moment aufkommt: hier ist es tatsächlich noch familiär, obwohl man die Exil-Berliner sofort von den heimischen Unterscheiden kann (aber es fehlt auch die Prise prätentiös, die eine harte Tür in jeden Club reinmischt.) Den Klang der Familie einem neuen Kontext kennenzulernen wirkt heilsam. Das gilt auch für die eigene Borniertheit.

Leipzig ist nicht das neue Berlin, es ist zum Glück mehr als das. (Nicht nur weil die Ur-Einwohner sächseln…)

Comments (3)

  1. Mobraeu

    Don’t believe the Hypezsch!

    (Bitte den Autostart des Videos unterbinden. Hat grade meine Vorlesung gesprengt. hehe)

  2. Liebliches Gesäusel.. Wem soll mit diesen Floskeln eigentlich was mitgeteilt werden?

  3. Nein, kommt nicht nach Leipzig, hier regnet es ständig, die Menschen sind mies gelaunt, die Arbeitslosigkeit und Kriminalität sind hoch.
    Es werden ständig Fahrräder geklaut(vor allem Fixies), die Aufklärungsquote liegt bei unter 10 %! Das Bier ist teuer und die Clubs überfüllt. Bitte, bitte bleibt in Berlin! Hornbrillen, iPhones und Stoffbeutel sind mittlerweile ausverkauft! Und wer es in Berlin nicht schafft, schafft es in Leipzig erst recht nicht. Alle anderen Fakten findet ihr hier: http://hypezig.tumblr.com/

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