Leider kein Hipster-Rabatt..

Wer sich öfter auf Flohmärkten herumtreibt, vor allem den eher trödellastigen, bekommt irgendwann mit, dass die meisten Händler sich kennen. Manchmal hat man sogar das Gefühl man stört sie beim wochenendlichen Kaffeetrinken zwischen den um sie herum aufgetürmten Schätzen vergangener Jahrzehnte. Wenn man von den klassichen Flohmärkten genug hat, weil danach die Nase immer so komisch juckt oder weil man den Mauerpark nur noch besucht um die eigene Garderobe an Touristen loszuwerden, kommt man vielleicht auf die Idee einen der sporadischen, von irgendeinem hippen Paten gehosteten, Vintage/Designer-Flohmärkte zu besuchen. EPIC FAIL.

Auch hier kennen sich alle, wahrscheinlich vom letzten Designer/Vintage-Happening und noch schlimmer: hier findet man immer wieder das gleiche Zeug. Tatsächlich, das gleiche Zeug – aber wer kauft auch schon gerne von Leuten, die das, was sie verkaufen, so furchtbar kombinieren, dass man nur noch Dinge kaufen möchte, die neu sind. Ernsthaft neu. Originalverpackt neu. Nichts das Zeitreisen hinter sich hat und seine Aura (zurecht) untergegangener Ästhetik um meinen Körper hüllt, sondern etwas – auch wenn das Design vielleicht von vergangenen Dekaden geklaut ist – so frisch produziertes, dass es beim ersten Waschen richtig schön Farbe ausblutet. Was bei Facebook immer so toll nach kuratierter und gut sortierter Auswahl klingt, ist am Ende nichts weiter als der Ausverkauf all der alten Flohmarktschnäppchen, die die Verkäufer nicht mehr tragen wollen. Second Season Hipsterware. Wer es richtig professionell machen will, der näht mit zwei Stichen schnell ein Label in hässlichen T-Shirts, die man bei Humana nebenbei klauen kann, um sich dann in den Lebenslauf schreiben, ein Fashion-Label geführt zu haben. Ein Label ist aber leider mehr als ein, nunja, Label. Und nur weil jemand dreieckige (ja, ernsthaft) Pappschnippsel mit Sicherheitsnadeln an Trödel pinnt, rechtfertigt das noch lange nicht die hohen Preise.

Eines muss man den alteingesessenen Trödelbaron_innen lassen: man hat zwar immer Angst sich in dem Haufen von Wohnungsauflöungsware Filzläuse einzufangen, aber immerhin feilschen können sie. Wenn 50 Cent mehr oder weniger aber keinen großen Unterschied im Preis machen, dann stellt sich aber  leider kein Flohmarktfeeling ein.

Nächsten Sonntag vielleicht doch lieber wieder ins Berghain… oder ins Museum, wo zwar auch teure alte Sachen ausgestellt werden, aber niemand ans Kaufen denkt.

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