Generation Club: Interview #5

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Erzähl von deiner ersten Cluberfahrung.
Ich war gerade 18 Jahre frisch und zu Besuch in Berlin, um einen Improve Reading Kurs zu machen. Samstag Abend traf ich mich mit einem guten Kumpel im Mauerpark, wir kifften beim Sonnenuntergang und betranken uns. Irgendwann sprachen wir über den berüchtigten Berghain Club, wo es so schwierig ist, hineinzukommen und wir wussten wir beide, wo wir diese Nacht noch hinwollten…
Ich erinnere mich daran, wie wir das erste Mal etwas schisshaft Speed zogen, wie sich das erste Mal die Jalousien in der Pannebar öffneten und wie wir beide kaputt um 16 Uhr an der Spree lagen und uns runterkifften. Von da an, verstand ich Techno und von da an, wusste ich, wo ich leben werde.

Warum gehst du Feiern?
Tanzen bedeutet für mich los lassen, nachdenken, einfach ich selbst zu sein, mich auszudrücken – ohne Sprache, sondern mit meinem Körper. Ich bin ein ziemlich rastloser Mensch, möchte immer alles, auf einmal, jetzt, sofort und ich lebe selten in der Gegenwart, sondern plane immer schon drei Schritte voraus. Das Feiern gehen und der Exzess hilft mir im Jetzt zu leben, ich fühle mich wohl und zermürbe mein Hirn nicht mit Zukunftsfragen/ängsten. Die pausenlose, nicht endende Bassline ist ein Teil meiner Persönlichkeit geworden.

Was fasziniert dich an Clubs?
Das Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlichster Schichten und Ursprünge, die, die „I don’t care if I die tomorrow“ Mentalität teilen und das in einem dunklen, stickigen und lauten Raum, wo man sich schlecht unterhalten kann.

Ist Ausgehen für dich eine Parallelwelt? Wie Unterscheidet sie sich von deinen anderen Lebensrealitäten?
Ausgehen ist für mich nicht zwangsläufig eine Parallelwelt, erst die Drogen machen es zu einer, denn es entstehen soziale Experimente, die ohne Drogen nicht möglich wären und dadurch schafft man sich eine andere Welt. Ein Arbeitsloser wird zum Prinz oder die verwöhnte Göre wird zur Assitante.
Ich versuche meine Feierwelt und meine Lebensrealität unter eine Hut zu bringen, denn beide Welten sind nicht wirklich das wahre haha

Haben Feiern und die Drogen dich verändert?
Feiern hat mich leider oberflächlicher gemacht und in gewissen Weise arrogant denen gegenüber die, die wertvolle Feiererfahrung nicht nachvollziehen können.

Wie fühlst du dich beim Tanzen?
Ich habe schon jegliche Gefühlslagen im Tanz erlebt. Es ist ähnlich wie beim Drogenkonsum von der psychischen Ausgangssituation abhängig. Eins steht fest: Tanzen geht immer.

Was ist das eigentlich: Feiern?
Feiern bedeutet Exzess, Exzess bedeutet Betäubung, Betäubung bedeutet Ablenken und Ablenken bedeutet Vergessen.

Wie siehst du den Zustand unserer Generation?
Unser Generation fehlt es an Idealen und Moralvorstellungen. Leider ist jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt und setzt sich gar nicht mehr wirklich mit seiner Umwelt, seinen Mitmenschen und den Rest der Welt auseinander. Ausnahmen bestätigen die Regel.

M, 24

Generation Club: M, 24

Generation Club: M, 28

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Generation Club: B, 23

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Generation Club: T, 19

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Potrait: Apostol Kardamov

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