Generation Club: Interview #3

M, 24

M, 24

Was fasziniert Dich an Clubs?
Dass sie ein ganz eigener, kleiner Kosmos sind, in dem mit Rollen, Ordnung, Wahrnehmung, etc. experimentiert werden kann und in dem man sich nach einer Weile regelmäßigeren Hingehens auf irgendeine Art einen Platz sichern kann. Was zum Beispiel das Berghain für mich eben so anziehend macht, ist außerdem, dass ich inzwischen viele Erinnerungen habe, die damit zusammenhängen, mich in meiner Persönlichkeit beeinflusst haben und für die ich sehr dankbar bin.

Welchen Club besuchst Du regelmäßig? Fühlst Du dich als Stammgast dort?
Hier in Berlin regelmäßig eigentlich nur das Berghain. Ganz abgesehen von dem mittlerweile doch schon etwas muffigen Hype, erfüllt es von der Architektur, dem Sound, den DJs und der Atmosphäre her am ehesten das, was ich mir unter einem Club vorstelle, in dem Techno gut funktioniert. Ich würde nicht soweit gehen, mich als Stammgast dort zu bezeichnen. Es ist ganz klar mein Lieblingsclub, aber ich bin nicht ständig dort und es gibt auch durchaus Dinge, die mich daran nerven. Zum Beispiel, dass es den giftigen Gedanken weckt: „Freunde oder Reinkommen“, wenn man mal mit mehreren oder nicht ganz berghainuniformierten Leuten unterwegs ist, man als Frau an der Bar oft länger warten muss oder man manchmal das Gefühl hat, es ginge nur noch um Coolness und Selbstinszenierung – was zwar sicherlich einen Teil des Reizes mit ausmacht, ich im Übermaß aber als störend und unangenehm empfinde.

Bist Du Teil einer Szene?
Nein, ich glaube nicht. Für Leute außerhalb mag es so scheinen, aber von innen gesehen nicht. Das kommt natürlich auch immer darauf an, wie man Mitgliedschaft in einer Szene nun genau definiert. Misst man es an der Zahl der Leute, die man kennt, daran, wie häufig man da ist oder wie sehr man reinpasst? Oder ist Szene doch ein etwas weniger engstirnig gefasster Begriff, bei dem einfach unter einer Gruppe von Leuten gewisse Grundansichten und Erwartungen in Bezug auf’s Ausgehen und Erleben harmonieren? Letzteres fände ich besser und dann eventuell schon.

Hast Du das Gefühl die Szene ist offen? Wie bist Du Teil der Szene geworden?
Es geht. Ich denke, viele definieren „Teil der Szene“ eben doch eher über oberflächliche Kriterien und das führt dazu, dass eine gewisse Rivalität und Rangordnung herrschen, die ich unentspannt finde und die einen erstmal auf Granit beißen lässt. Vor allem, wenn man sich dem nicht beugen will. Zum Glück gibt’s ja auch immer noch andere, die ebenso denken, und wenn man davon erstmal ein paar gefunden hat oder schon gleich mit Freunden hingehen kann, ist man schon recht schnell irgendwie „dabei“.

Was ist das eigentlich: Feiern?
Puh, darüber ließe sich viel diskutieren und das wird irgendwann nervig, deswegen würde ich sagen es ist einfach das, was man für sich draus macht.

Wie siehst du den Zustand unserer Generation?
Ich glaube wir sind auf keinem so schlechten Ast wie oft dargestellt. Natürlich leben wir in einer Zeit, die Generationen nicht mehr so klar durch eine bestimmte Reihe sozialer oder politischer Umwälzungen wie noch in den späten 60ern oder auch den frühen 90ern umreißt und zusammenschweißt. Dafür aber sind das Internet und ein erhöhtes Streben nach Individualismus statt nach Kollektivität auf den Plan getreten, was im Grunde wieder ein vereinendes Element ist, das gleichzeitig Entfaltungsfreiheit bietet. Manchmal vielleicht sogar zu viel, sodass man darin untergeht und ein wenig mehr Einschränkung hilfreich wäre. Aber gerade da bieten Subkulturen Zufluchtsorte und Spielwiesen, die Verankerung ermöglichen, wo man sonst vielleicht noch nicht genau weiß, wohin mit sich. Aber alles keine neuen Themen, deswegen kann ich nur sagen, unsere Generation schafft (sich) schon was. Und ich weiß auf jeden Fall, dass ich persönlich froh und dankbar bin, genau jetzt, genau hier zu leben.

Über Generation Club

Generation Club: M, 28

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Generation Club: B, 23

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