Generation Club: Interview #2

M, 28

Erzähl von Deiner ersten Cluberfahrung.
Die erste „echte“ Berliner Cluberfahrung war grauenhaft – Bar 25 im Sommer 2006. Ohne Ahnung mit einer Gruppe, die auch wenig Ahnung hatte, worum es in dem Laden eigentlich ging. Natürlich wurden wir abgewiesen („Is privat heute“), was ich im Suff (damals noch beschränkt auf genau denselben) extrem auf mich bezogen hatte. Der Abend war natürlich gelaufen – auch wenn uns die Cousine meines damaligen Freundes glatt am selben Abend doch noch reingeholt hat („Mensch, das is meine Familie!“ „Habt ihr die Pfeifen schon gesehen heute Abend“ „Nee, die sind zum ersten Mal hier“). Nicht der Bar entsprechend gewandet und ausnüchternd, jedoch, gestaltete sich jeder Gang durch das Gelände als Spießrutenlauf, der mir unter den abschätzigen Blicken der Stammbesucher den Rest gab. Kommentar meines damaligen Freundes: „Na vielleicht bist du einfach nicht so ein Großstadtmensch. Berlin ist zu hart für dich.“

Was fasziniert Dich an Clubs?
Der Moment, wenn die Musik gerade besonders gut ist und die ganze Crowd – drogeninduziert –  auf dem Dancefloor zu einem Meer aus Beats, Schweiß und Körperlichkeit werden.

Welche Rolle spielt die Musik für Dich?
Musik ist mir sehr wichtig. Mit Musik steht und fällt der Abend. Das Line-up ist für mich schon ein entscheidender Grund, die Feierwochenenden zu planen.

Ist Ausgehen für Dich eine Parallelwelt? Wie Unterscheidet sie sich von Deinen anderen Lebensrealitäten?
Absolut. Diese Parallelwelt hat mit meinem anderen Leben auch recht wenig zu tun, da es keine Berührungspunkte gibt. Im „normalen“ Leben gibt es immerhin einen Rest von Struktur, muss ich andere Verantwortlichkeiten wahrnehmen. In beiden Leben bleibe ich allerdings derselbe Mensch, dem es wichtig ist, zugewandt und aufmerksam mit anderen Menschen umzugehen.


Hast Du das Gefühl die Szene ist offen? Wie bist Du Teil der Szene geworden?
Sie ist offen, da sie sich konstant verändert. Es gibt allerdings einige „Kerncliquen“, um die sich die Szene irgendwie immer wieder gruppiert (die tätowierten Spanier oder die Stero-Muskel-Schwulen, die mehr oder weniger homogene Massen bilden zum Beispiel). Diese Cliquen sind eher nicht so offen, die erweiterte Szene aber schon)

Ist Feiern für Dich purer Hedonismus?
Sagen wir es so: die politische Komponente des Feierns, Transformatives, ist für mich nicht unbedingt der Hauptfaktor beim Feiern. Es spricht aber in meinen Augen nichts dagegen, Hedonismus auch mit politischen Fragen zu verbinden (Slutwalk, Transgenialer CSD, gewisse Blank-Partys)

Wie fühlst du dich beim Tanzen?
Kommt auch auf meine Stimmung an – und die Drogenwirkung. Am besten ist dieser Kick-In-Moment, wenn gerade volle Energie durch den Körper strömt, die Wahrnehmung auf Tunnel schaltet (ja, Keta!) und der Bass auf mich einhämmert.

Was ist das eigentlich: Feiern?
Musik, Menschen, Tanzen, Drogen, Gemeinsamkeit, Erfahrung, Kommunikation, Ekstase

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Interview #1

B, 23

B, 23

Über das Projekt

Portrait: Apostol Kardamov

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