SHIFT: THE EFFECTS CAN LAST FOREVER

Die beiden Dreiecksgeschichten von Henrike Naumanns Videoinstallation sind heute noch bis 20.00 Uhr bei SHIFT zu sehen, danach wird für die After Party ab- und wieder aufgebaut um zu raven als wäre es 1992. ACIEED HOUSE!
Sind wir damit nicht besser als die selbstvergessenen und doch egozentrischen Realitätsflüchtlinge aus Amnesia? Können wir uns glücklich schätzen zu tanzen anstatt mit Baseballschlägern Spiegel zu zertrümmern? Vergessen statt Terror?
Die Energie, die (junge) Menschen Wochenende für Wochenende in die Beschaffung von Tanzchemikalien investieren, ist sie nicht eigentlich transformierbar? Die Erfahrung, etwas wirklich zu wollen, ist sie nicht übertragbar auf andere Lebensbereiche? Wenn wir uns für Feiern begeistern können, können wir es auch für andere Dinge. Wir können uns wieder politisieren.Für Henrike Naumann gibt es einen Ausweg aus der politischen Appetitlosigkeit:

„Für mich war der NSU der Funke, der mich aus meinem Desinteresse gerissen hat. Das Thema Rechtsextremismus ist das Thema, das mich nicht loslässt. Das hat mich aus meiner Politiklosigkeit geholt. Doch das kann bei jedem etwas anderes sein, und erzwingen kann man das Interesse nicht, wichtig ist dass man nicht aufhört sich zu informieren und die Informationen zu verarbeiten. Und wer weiß, jemand der sich für Mode interessiert und den ganzen Tag nur über Klamotten nachdenkt, der hat plötzlich ein Aha-Erlebnis, wenn wieder hunderte Arbeiterinnen bei einem Brand in Fernost ums Leben kommen. Und fängtan, das angepasste Konsumentendasein zu hinterfragen, und wird aktiv. Auf ganz persönliche Weise.“

Simon Reynolds (britischer Kulturjournalist) fasst seine Erfahrungen mit der britischen Rave-Kultur in den 90ern so zusammen:
“… despite its ostensibly escapist nature, rave has actually politicized me, made me think harder about questions of class, race, gender, technology.”
(Energy Flash: A Journey Through Rave Music and Dance Culture)
Das politische Aha-Erlebnis, es könnte also an der nächsten getanzten gedanklichen Kreuzung auf uns warten. Selbstkasteiung, jesuitische Bescheidenheit steht den Kindern des Kapitalismus nicht. Wenn wir nur in extremen Funktionieren, ohne gleich extremistisch werden zu müssen, sollten wir uns auf das besinnen, was wir schon können: Tanzen stärkt das politische Immunsystem, Tanzen verbindet. Nutzen wir die Synergien, die Netzwerke und Gemeinschaften, die wir durch das Feiern bilden. Die Effekte, sie bleiben so für immer.Rave on und bleib kritisch, denn Tanzen ist auch Revolution.

Bis später bei SHIFT!

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