Generation Club: Interview #1

B., 23
Erzähl von Deiner ersten Cluberfahrung.
Mein erster “richtiger” Clubbesuch in Berlin war im Watergate. Ich hatte vorher wenig bis kaum was mit elektronischer Musik zu tun und auch mit chemischen Drogen nicht viel am Hut. Rückblickend war der Abend an sich gar nicht so spektakulär, aber das war zu einem Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich sowieso gewissermaßen auf der Suche nach was Neuem war. In dieser Nacht hatte ich zumindest gemerkt, dass es in Berlin Freiräume gibt, die mir mehr Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung bieten, als es meine Heimatstadt und mein bisheriges Umfeld es taten.Welche Rolle spielt die Musik für Dich?
Obwohl das ganze soziale Miteinander, die Drogen und das ganze Drumherum natürlich auch eine erhebliche Rolle spielen, ist die Musik beim Feiern natürlich irgendwie das Elementare. Auch wenn man manchmal 2/3 der Zeit damit verbringt, auf Sofas und Toiletten rumzuhängen, geht man ja doch der Musik und des Tanzen wegens aus. Ich beschäftige mich bei weitem nicht mehr so übertrieben intensiv & theoretisch mit Musik, wie ich es früher getan habe, aber gerade das zeigt das Tolle an elektronischer Musik auf: Sie funktioniert völlig intuitiv, es braucht nicht viel Hintergrundwissen um sie zu verstehen und sich von ihr mitreißen zu lassen und ist so auch einfach zugänglich.

Wie gehst Du mit Drogen um? Was konsumierst Du?
Die ersten zwei Jahre feiern hab ich praktisch alles genommen, was mir zwischen die Finger kam, am besten möglichst viel und alles gleichzeitig. Mittlerweile hat sich da aber eher eine “Weniger ist mehr”-Mentalität eingestellt. Ich mag es eigentlich ganz gerne fit und klar zu sein, deswegen ist Speed so meine Feiergrundlage. Teile haben leider mit der Zeit einfach die erhoffte Wirkung verloren und bei Ketamin ist bei mir einfach zu schnell die Grenze überschritten, die ich im Club bzw. unter fremden Menschen, schon als unangenehm empfinde. Zu Hause konsumiere ich sehr selten, wenn dann mit mehreren Leuten zusammen. Grundsätzlich gehören Drogen für mich zum Feiern dazu, haben aber nicht mehr die essentielle Bedeutung, wie zu Anfang.

Stört es Dich, dass Drogen illegal sind?
Ich befürworte eine Legalisierung bzw. Entkriminalisierung aller Drogen absolut, da Drogen nun mal fester Bestandteil des Lebens sind und ich ein Verbot als massiven Eingriff in die Autonomie des Menschen sehe, kann aber mit den Zuständen, wie sie in Berlin sind, ganz gut leben. Solange man alles was man möchte, mehr oder weniger schnell und einfach kaufen kann, der Konsum in den Clubs akzeptiert wird und auch die Staatsmacht das Ganze eher sporadisch bekämpft, fühle ich mich in meiner persönlichen Freiheit nicht besonders eingeschränkt. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass mir, verglichen mit meiner Heimatstadt, Berlin in dieser Hinsicht nach wie vor wie das Paradies vorkommt.

Ist Feiern für Dich purer Hedonismus?
Ja, irgendwie schon. Im Grunde genommen versucht man beim Feiern ständig, sich jetzt, hier, im Moment möglichst gut zu fühlen. Dabei verliert man meistens ziemlich schnell den Blick für die Konsequenzen. Ich kann mir noch so oft vornehmen beim Feiern nicht so viel Geld auszugeben, weil es sonst die Woche drauf ziemlich eng wird, sobald man im Club steht, ist das meistens schnell vergessen und am Ende bin ich pleite. Man ist sich ja auch bewusst, dass man seiner Gesundheit auf Dauer auch keinen Gefallen tut, trotzdem wiegt man beim Feiern sein Verhalten nicht wirklich nach vernünftigen Kriterien ab, sondern macht das, was einem kurzfristig den größten Lustgewinn vespricht.

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Über Generation Club

Portrait: Apostol Kardamov

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