Ein Look sie zu knechten, alle zu finden…

Vorbei die Zeit, in der ein Satz wie „Marc by Marc Jacobs ist H&M für Reiche“ noch funktioniert.
Die Flagshipstores in Mitte haben mittlerweile so viele Kunden durchgeschleust, dass Marken wie ACNE oder Wood Wood tatsächlich in der Mitte angekommen sind. Die Miete  können sie wahrscheinlich trotzdem nicht wieder reinholen, auch wenn sie ihren kompletten Bestand auf einmal verkaufen würden. Die Kinder von Mitte, sie stellten sich selbst ein Bein.

Was vor ein paar Jahren beim Einkaufen kräftig Adrenalin durch den Körper gepumpt hat, ist mittlerweile unaufgeregte Normalität geworden.

Zu COS gehen? Ach, warum.
Zum Wood Wood-Laden zu gehen, um sich was von Commes des Garçon zu holen? Langweilig, das überlassen wir lieber den Kids, die gerade Abi gemacht haben und sich jetzt plötzlich für Mode interessieren.

Man munkelt in München gäbe es Läden, die sich zwar komplett mit ACNE und A.P.C. vollstopfen können, aber im Grunde genommen doch nur Schrott verkaufen. Gibt es also noch Hoffnung in Berlin?

… ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden!
Hier gibt es jetzt Läden wie das Darklands im Mordor hinter dem Hauptbahnhof. Irgendwo in der Nähe des ehemaligen Tape Clubs, in einer großen weißen Halle, ist man plötzlich in der postapokalyptischen Kleiderkammer mit den schwarzen, fließenden „Visionen“ von Antwerp Six Ikonen und avantgardesken Nachzüglern. Das Konzept des “nomadic, multi-brand, cutting edge men’s fashion shop”: immer wieder umziehen und das alle paar Saisons. Na, wenn das mal kein Gentrifikationskatalysator ist…Während das Berliner Publikum sich an die durchdesignte Pralinenschachtel Mitte gewöhnt hat, nascht der Rest von Deutschland mittlerweile auch mit. Die Strahlkraft des immer weiter verschliffenen Mini-Diamanten, der Berlin gerne wäre, funkelt durch ganz Deutschland. Ranzige Sven Regener/Herr Lehmann-Sakkos oder Tocotronic-Sportjacken sind weit entfernte, lange vergessene Mode-Geschichte. Zum Glück, aber warum tragen jetzt alle stattdessen Kenzo-Caps?

Natürlich will niemand rumlaufen wie Kunstgeschichtsstudentinnen, die herausgefunden haben, dass man auf Flohmärkten billig einkaufen kann (und Berliner_innen damit reich machen, dass sie ihren Rammsch bei Kleiderkreisel kaufen).Lieber wieder auf kleine Labels konzentrieren, anstatt sich mit dem Nimbus von großen Designern zu schmücken, die in Berlin so lächerlich wirken, wie die überstylten Verkäufer, die mit Sicherheit niemanden dazu bewegen, etwas zu kaufen oder sich mit Marken auseinanderzusetzen, deren Innovationskraft sich leider so schnell abgenutzt hat wie der Arsch einer billigen H&M-Jeans.

Leave a Reply